"2 Milliarden € bis 12 Uhr" – Wien stellt Strom-Ultimatum

Dieser Brief ging an das Finanzministerium: Wien Energie braucht sofort 2 Milliarden Euro, heißt es darin.
Dieser Brief ging an das Finanzministerium: Wien Energie braucht sofort 2 Milliarden Euro, heißt es darin.picturedesk.com; HEUTE
High Noon bei Wien Energie (zwei Millionen Kunden): Bis spätestens Dienstag, 12.00 Uhr, benötigt der Konzern zwei Milliarden (!) € vom Steuerzahler.

Erwartet wurde am Sonntag ein Krisengipfel zu den Energiepreisen mit weiteren Entlastungen für Haushalte. Erst während der Sitzung drang plötzlich nach außen: In Wahrheit ging es um grobe Probleme beim größten Energiedienstleister Österreichs, der Wien Energie.

1,7 Milliarden Euro würden fehlen, um Sicherheitsleistungen für den Kauf von Strom an der Börse aufstellen zu können, schrieb "Heute". Laut der Bundesregierung betrage der Finanzierungsbedarf sogar satte sechs Milliarden Euro. Weil Wien Energie und die Stadtwerke hingegen beteuerten, "solide, wirtschaftlich gesunde Unternehmen mit bester Bonität" zu sein, wurden in den Sozialen Netzwerken rasch Fake-News-Rufe laut.

Geheim-Brief stellt Ultimatum

Ein knallharter Brief von Finanzstadtrat Peter Hanke an Finanzminister Magnus Brunner, der "Heute" vorliegt, bestätigt nun aber die groben Turbulenzen – und legt das wahre Ausmaß des Bedarfs offen. Datiert ist das Schreiben auf den heutigen Montag, den 29. August.

Hanke bezieht sich hierbei bereits auf das am Sonntag abgehaltene Gespräch mit Experten im Kanzleramt. Thema: Der Liquiditätsbedarf der Wien Energie, um die an der Börse notwendigen Margin-Zahlungen für Energiehandelsgeschäfte stemmen zu können.

Dann die Hammer-Forderung: Die Stadt Wien ersucht um "Bereitstellung einer von der Stadt Wien zurückzuführenden Kreditlinie über einen Betrag von bis zu EUR 6 Mrd, davon EUR 2 Mrd nach Möglichkeit im Laufe des heutigen Tages, spätestens jedoch bis morgen, 12:00 Uhr".

Unterstützung dringend benötigt

Als Grund wird abermals die Preisentwicklung am internationalen Strom- bzw. Gasmarkt genannt, die auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit einhergehenden Sanktionen zurückzuführen sind. Russland drosselte daraufhin die Liefermengen, Der Preis für Erdgas stieg dadurch im 2-Jahresvergleich um 2.900 Prozent, Strom um 1.940 Prozent.

Für den Energie-Börsehandel seien jedoch auch dementsprechend höhere Sicherheitsleistungen taggleich zu hinterlegen "Eine plötzliche Preissteigerung am Ende der letzten Woche führt zu einer Marginzahlung der Wien Energie GmbH für den 29.08.2022 in der Höhe von rund EUR 1,75 Mrd", so Hanke im Brief.

Diese Summe konnte man gerade noch zahlen, weil die Stadt Wien kurzfristig einsprang. "Weitere zu erwartende Finanzierungserfordernisse aufgrund der derzeitigen volatilen Marktsituation bedürfen jedoch der Unterstützung durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur."

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