Ein Kabelbrand am Praterstern legt eine der wichtigsten Verkehrsadern Wiens lahm. Bis zu 250.000 Fahrgäste sind täglich auf der S-Bahn-Stammstrecke unterwegs. Für sie heißt es jetzt: länger fahren, öfter umsteigen und vor der Fahrt unbedingt die Verbindung prüfen.
Der Grund für die massiven Auswirkungen: Bei dem Brand wurden laut ÖBB rund 20 Kilometer Kabel beschädigt. Das Stellwerk am Praterstern steuert zudem nicht nur den dortigen Bahnhof, sondern auch Weichen und Signale in Wien Mitte und Rennweg.
Warum die Reparatur nicht innerhalb weniger Tage erledigt werden kann, erklärt ÖBB-Sprecherin Judith Winder in der "Presse": "Wir haben in der Nacht schon die ganzen kaputten Kabel entfernt. Die neuen Kabel werden auch schon angeliefert."
Doch dann wird es noch komplizierter, erzählt die Sprecherin: "Das ist natürlich nicht so, dass man da einfach das Kabel verlegt, ansteckt und alles fährt wieder. Es müssen insgesamt 20 Kilometer Kabel neu verlegt werden. Und natürlich muss das alles überprüft und getestet werden. Das dauert einfach lange."
Die Ursache des Brandes ist noch unklar. Derzeit gebe es keine Hinweise auf Fremdverschulden.
Weil auf der Stammstrecke zwischen Praterstern und Hauptbahnhof ohnehin umfangreiche Modernisierungsarbeiten geplant waren, ziehen die ÖBB den dafür vorgesehenen Notfahrplan vor. Er gilt bereits ab Freitag.
ÖBB-Tickets werden auf den betroffenen Verbindungen von den Wiener Linien anerkannt. Fahrgäste können damit auf U-Bahn, Straßenbahn und Bus ausweichen.
Zwischen Floridsdorf und Praterstern gibt es einen Schienenersatzverkehr. Ein Shuttlebus zwischen Wien-Meidling und Längenfeldgasse soll die U6 entlasten.
Auch für Reisende zum Flughafen gibt es Änderungen. Zwischen Wien Mitte und Geiselbergstraße fährt ein Schienenersatzverkehr, über den die S7 erreicht werden kann.
"Man braucht 15 Minuten länger zum Flughafen", sagt Winder gegenüber der "Presse". Über den Wiener Hauptbahnhof bleibt der Flughafen weiterhin mit dem Zug erreichbar. Sollte es bei den Ersatzverbindungen zu eng werden, könnten weitere Maßnahmen folgen.
Eine Entschädigung für längere Fahrzeiten und zusätzliche Umstiege gibt es laut ÖBB nicht. "Wir wissen natürlich, dass das viele Nerven kostet und bitten um Verständnis und auch um Entschuldigung für die zusätzliche Belastung", erklärt Winder gegenüber der "Presse".
Trotz des Kabelbrands soll der weitere Zeitplan halten. Die ÖBB wollen ab 7. September wieder zwischen Praterstern und Floridsdorf fahren. Die geplante Hauptsperre soll anschließend wie vorgesehen starten und auch pünktlich beendet werden.