Böden speichern Wasser und Kohlenstoff, versorgen Pflanzen mit Nährstoffen und beherbergen einen Großteil der Artenvielfalt. Doch ihr Zustand bleibt meist unsichtbar.
Eine ungewöhnliche Studie der Universität Zürich und des Forschungszentrums Agroscope macht das Bodenleben nun sichtbar - mit vergrabenen Unterhosen.
Im Citizen-Science-Projekt "Beweisstück Unterhose" vergruben 2021 rund 1.000 Freiwillige an verschiedenen Standorten in der Schweiz jeweils zwei Baumwollunterhosen. Nach 30 und 60 Tagen wurden die Materialien wieder ausgegraben und fotografiert.
Laut Utopia bewerteten die Forschenden anschließend, wie stark sich die Unterhosen zersetzt hatten.
Die Abbaugeschwindigkeit gilt als Näherungswert für die biologische Aktivität des Bodens: Je schneller die Baumwolle zerfällt, desto aktiver sind Mikroorganismen, Pilze und Regenwürmer.
Die Unterschiede zwischen den Standorten waren beträchtlich. Nach zwei Monaten waren die Unterhosen in Privatgärten im Schnitt zu rund 58 Prozent zersetzt. Auf Rasenflächen lag der Wert bei nur etwa 40 Prozent. Äcker und Dauergrünland lagen mit 51 beziehungsweise 47 Prozent dazwischen.
"Unsere Resultate zeigen, dass die Bodenbewirtschaftung einen großen Einfluss auf das Bodenleben und die Bodenqualität haben kann", erklärt Studienleiter Marcel van der Heijden. Maßnahmen wie permanente Bodenbedeckung, der Einsatz von Kompost und vielfältige Fruchtfolgen können das Bodenleben fördern.
Eine schnelle Zersetzung ist allerdings kein umfassendes Gütesiegel für einen Boden. Co-Autor Franz Bender von Agroscope betont: "In naturnahen Lebensräumen wie Wäldern können sehr hohe Nährstoffgehalte auf Störungen des natürlichen Nährstoffhaushalts hinweisen."
Die Forschenden schlagen den "Unterhosen-Index" als leicht verständliches Werkzeug für Bildungsarbeit vor. Rund 240 freiwillige Helfer wurden sogar als Mitautoren der im Fachjournal "Plants, People, Planet" veröffentlichten Studie genannt.