Er war während der Corona-Zeit kaum aus den Schlagzeilen wegzudenken, sorgte mit scharfen Aussagen für Aufregung und polarisierte wie kaum ein anderer Mediziner. Für besonders viel Wirbel sorgte etwa sein Satz von der "Tyrannei der Ungeimpften", später wetterte er gegen Entscheidungen von Gerichten und sprach abfällig von "kleinen Richterlein". Jetzt sorgt der deutsche Ärztefunktionär Frank Ulrich Montgomery erneut für Wirbel – allerdings nicht mit einem politischen Statement, sondern mit einer Anzeige aus Osttirol. Schauplatz ist eine Tankstelle in Lienz, Auslöser eine minimale Differenz beim Spritpreis.
Der frühere Chef des Weltärztebundes wirft dem Betreiber "gewerbsmäßigen Betrug" vor – und das wegen exakt 3,24 Euro. Eine Summe, die auf den ersten Blick gering wirkt, für Montgomery aber eine Frage des Prinzips ist – berichtet die "Kleine Zeitung".
Wie der Mediziner schildert, war er mit dem Auto unterwegs und suchte gezielt nach günstigen Preisen. Über eine App informierte er sich vorab über die aktuellen Tarife in Lienz. Dort stach ihm ein Angebot ins Auge: 1,684 Euro pro Liter, vor Ort sogar ein noch niedrigerer Preis von 1,599 Euro auf der Anzeigetafel.
Doch die vermeintliche Ersparnis entpuppte sich als böse Überraschung. Während des Tankens bemerkte Montgomery, dass an der Zapfsäule plötzlich 1,999 Euro pro Liter verrechnet wurden. Er brach den Vorgang ab, zahlte schließlich 16,21 Euro für etwas mehr als acht Liter – und war sichtlich verärgert.
Direkt nach dem Tanken suchte Montgomery das Gespräch mit dem Verantwortlichen. Laut seiner Darstellung wollte er eine Erklärung und eine Art Ausgleich für die Differenz. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen habe man ihm klargemacht, dass er den höheren Preis zahlen müsse.
Für den streitbaren Arzt war damit eine Grenze überschritten. Er spricht davon, dass Kunden gezielt mit günstigen Preisen angelockt und dann an der Zapfsäule mit deutlich höheren Kosten konfrontiert werden. Für ihn erfüllt das den Tatbestand eines systematischen Betrugs.
Ganz anders sieht das der Betreiber der Tankstelle. Er erinnert sich ebenfalls gut an den Vorfall, beschreibt die Situation aber als angespannt. Montgomery sei lautstark aufgetreten, ein ruhiges Gespräch kaum möglich gewesen. Für ihn steht fest: Alles lief korrekt ab. Der Hintergrund: Spritpreise dürfen sich im Tagesverlauf ändern – und genau das sei passiert. Der zunächst günstigere Preis wurde später auf 1,999 Euro erhöht, wie es die gesetzlichen Regeln erlauben. Entscheidend ist dabei immer der Preis direkt an der Zapfsäule.
Dass die Anzeigetafel an der Straße einen falschen, niedrigeren Preis zeigte, bestreitet der Betreiber nicht. Der sogenannte Preisturm war tatsächlich defekt, eine Reparatur aber bereits beauftragt. Inzwischen funktioniert die Anzeige wieder. Für die rechtliche Bewertung spielt das jedoch kaum eine Rolle. Denn laut geltender Regelung zählt ausschließlich der Preis, der beim Tanken angezeigt wird – und der war in diesem Fall eindeutig.
Die Anzeige landete schließlich bei der Polizei, die sich den Fall auch ansah. Viel dürfte daraus allerdings nicht entstehen. Intern wurde bereits signalisiert, dass kein strafrechtlich relevanter Tatbestand vorliegt. Damit bleibt der Fall wohl eine kuriose Episode – zumindest aus Sicht der Behörden. Für Montgomery hingegen ist die Sache noch nicht erledigt.
Der Arzt betont, dass es ihm nicht um die paar Euro gehe. Vielmehr sieht er eine grundsätzliche Problematik: Andere Kunden könnten solche Preisunterschiede womöglich gar nicht bemerken und deutlich mehr bezahlen. Der Tankstellenleiter wiederum zeigt sich ratlos. Für ihn bleibt eine zentrale Frage offen: Wenn Montgomery wusste, dass der Preis an der Zapfsäule gilt – warum hat er dann überhaupt getankt?