Nach seiner Nominierung hat der sichtlich überraschte Senator Markwayne Mullin als Erstes seine Frau und seinen Vater angerufen. "Ein kleiner Bub aus Westville, Oklahoma wird im Kabinett des Präsidenten dienen. Das ist ziemlich ordentlich", erklärte Mullin, der designierte Heimatschutzminister. Wie 20min.ch berichtet, muss der US-Senat noch zustimmen – das gilt aber als ziemlich sicher. Damit hätte Mullin künftig das Sagen über die Einwanderungsbehörde ICE, die zuletzt weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat.
Der 48-jährige Republikaner und sechsfache Papa aus dem Mittleren Westen gilt als bodenständig, konservativ und als treuer Trump-Anhänger. Was kannst du politisch von ihm erwarten?
Mullin ist auf einer Ranch im ländlichen Oklahoma aufgewachsen. Schon als junger Mann hat er das Familienunternehmen übernommen, einen Sanitär- und Handwerksbetrieb, und daraus eine große Firma gemacht. Bevor er in die Politik gewechselt ist, war er sogar als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer aktiv – und laut eigenen Angaben in seiner kurzen Profikarriere ungeschlagen.
Seit 2013 sitzt Mullin für Oklahoma im US-Kongress – zuerst im Repräsentantenhaus, seit 2023 im Senat. Er ist derzeit der einzige indigene Senator im US-Senat und als Mitglied der Cherokee Nation eingeschrieben. Politisch steht Mullin fest auf konservativer Seite und zählt zu Trumps loyalen Unterstützern. Er setzt sich für eine wirtschaftsfreundliche Politik ein, traut staatlichen Eingriffen wenig zu und sieht sich – wie Medien berichten – eher als Geschäftsmann und Ranch-Betreiber denn als klassischen Politiker. Politik betreibe er aus Pflichtgefühl. In Oklahoma schätzen ihn viele als bodenständigen Vertreter des ländlichen Raums – direkt, rau und mit klarem Akzent.
Seine Rolle als konservativer Cherokee sorgt aber immer wieder für Diskussionen. Manche sehen in ihm einen wichtigen Vertreter indigener Interessen in Washington. Andere wiederum meinen, seine Linie sei näher an der republikanischen Partei als an den Anliegen der Ureinwohner.
Gefragt, ob auch demokratische Senatoren für ihn stimmen würden, meint Mullin: "Ich werde versuchen, die Stimmen aller zu gewinnen." Er sei zwar Republikaner und konservativ, wolle aber alle hinter sich vereinen. "Die Aufgabe des Heimatschutzministeriums ist es, für die Sicherheit aller zu sorgen, unabhängig davon, ob Sie mich unterstützen oder nicht."
Damit unterscheidet er sich zumindest auf den ersten Blick deutlich von Kristi Noem, die von Trump aus dem Amt gedrängt wurde. Sie setzte auf perfekten Auftritt und mediale Inszenierung – das hat ihr sogar in der eigenen Partei Kritik eingebracht. Besonders bekannt wurde ein Foto von ihr im Hochsicherheitsgefängnis Cecot in El Salvador: Noem posierte vor einer Zelle, im Hintergrund dutzende kahl geschorene Männer mit nacktem, tätowiertem Oberkörper.
Mullin gilt laut mehreren US-Medien als Brückenbauer und geschickter Verhandler. So hat er etwa bei den Verhandlungen über Steuersenkungen im vergangenen Jahr verschiedene Gruppen aus dem Kongress und dem Weißen Haus an einen Tisch gebracht, wie das "Wall Street Journal" berichtet.
Laut "New York Times" ist Mullin aber auch ein klarer Befürworter von Trumps strikter Abschiebepolitik. Außerdem hat er sich für ein Gesetz stark gemacht, das Amerikaner bei der Wahlregistrierung verpflichtet, einen Nachweis der Staatsbürgerschaft vorzulegen. Ein Thema, das in den USA gerade heftig diskutiert wird – und mit Blick auf die Zwischenwahlen im November noch an Brisanz gewinnen dürfte.