Am Montag traf Bundeskanzler Friedrich Merz den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin. Dabei verkündete Merz, dass "rund 80 Prozent der sich jetzt in Deutschland aufhaltenden Syrerinnen und Syrer" innerhalb von drei Jahren in ihr Heimatland zurückkehren sollen – das sei der "Wunsch von Präsident al-Scharaa" gewesen.
Doch nun die Überraschung: Bei einem Auftritt in London widersprach al-Scharaa dem deutschen Kanzler öffentlich. "Diese Aussage ist etwas übertrieben. Ich habe das nicht gesagt. Das hat der Kanzler gesagt", erklärte der syrische Machthaber lächelnd beim Thinktank Chatham House.
Laut n-tv.de sieht der Migrationsforscher Raphael Bossong von der Stiftung Wissenschaft und Politik in der Zahl "vor allem ein riskantes politisches Signal". Denn es sei keineswegs klar, was sie überhaupt bedeuten solle. "Insgesamt werden politische Erwartungen verfestigt, die voraussichtlich sowohl Enttäuschung als auch Verunsicherung in unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung erzeugen", so Bossong.
Die Realität sieht ohnehin anders aus: Von rund 930.000 syrischen Staatsangehörigen in Deutschland sind derzeit nur etwa 1.000 unmittelbar vollziehbar ausreisepflichtig. Noch 2025 hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Schutzstatus von Syrern in fast 97 Prozent der überprüften Fälle bestätigt.
Selbst wenn das BAMF den Schutzstatus nicht bestätigt, folgt darauf nicht automatisch die Ausreise. Die Ausländerbehörden würden weitere Bleibegründe wie familiäre Bindungen oder Duldungen abwägen. Merz selbst hatte betont, dass gut integrierte Syrer durchaus in Deutschland bleiben dürften.
Al-Scharaa erklärte in London, dass Rückkehr und Wiederaufbau eng verbunden seien. "Erst wenn wir die richtigen Umstände haben, würde ich garantieren, dass 80 Prozent nach Syrien zurückkehren", so der Machthaber. Die Kosten für den Wiederaufbau werden laut Weltbank auf 216 Milliarden Dollar geschätzt, rund 90 Prozent der syrischen Bevölkerung leben in Armut.