Krone durch Blutritual

82-Jährige aus NÖ wird plötzlich Königin in Ghana

Ein Blutritual macht eine Niederösterreicherin zur Königin in Ghana – seither kämpft sie dafür, dass tausende Kinder zur Schule gehen können.
Christoph Weichsler
04.04.2026, 11:30
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Plötzlich wurde sie Königin. Christine Refaei saß 1998 im Ort Akropong in Süd-Ghana, rund eine Stunde von der Hauptstadt Accra entfernt. Vor ihr wurde eine Ziege geschächtet, das Blut rann über ihre nackten Füße. Dieses Ritual gehört zur Aufnahme beim Volk der Akuapem. Seit dem trägt sie einen neuen Namen: "Nana Abena Odosso II".

Damit wurde die 82-jährige Niederösterreicherin offiziell eine "Queen Mother of Development", eine von mehreren Regionalköniginnen. Diese Frauen haben keine politische Macht, aber eine klare Aufgabe: Sie kümmern sich um soziale Themen, vermitteln bei Problemen und stoßen Projekte für die Gemeinschaft an. Über ihre außergewöhnliche Geschichte haben bereits das Magazin "Profil" und der ORF berichtet.

Wie es überhaupt dazu kam

Refaei ist damals wegen ihres Studiums nach Ghana gereist. Sie hat Ethnologie studiert und wollte für ihre Diplomarbeit die Kultur der Akuapem erforschen. Der Kontakt zum Königshof hat sich zufällig im Flugzeug ergeben: Neben ihr ist ein Mann aus Ghana gesessen, der sie nach ihrer Ankunft vermittelt hat.

In Akropong wurde sie empfangen, stellte ihr Forschungsvorhaben vor und gewann offenbar schnell Vertrauen. Dass sie schließlich zur "Queen Mother" ernannt wurde, war eine Entscheidung innerhalb der traditionellen Führungsstruktur.

Warum sie geblieben ist

Refaei erlebte bei diesem Aufenthalt etwas, das sie seitdem nicht mehr loslässt. Mitten am Vormittag sah sie Kinder, die nicht im Unterricht sitzen, sondern zu Hause oder auf der Straße sind. Der Grund ist einfach und hart: Schule kostet Geld. Eltern müssen Uniformen, Hefte und Bücher bezahlen. Viele können sich das nicht leisten – ihre Kinder bleiben deshalb ohne Bildung.

Refaei handelte noch vor Ort. Sie übernahm die Kosten für zwei Mädchen, damit sie die Schule besuchen können. Zurück in Österreich beginnt sie, Geld zu sammeln, erzählt Freunden und Bekannten von den Zuständen – und hilft bald immer mehr Kindern. Aus der spontanen Hilfe wurde ein langfristiges Projekt. Sie gründete den Verein "Help4Ghana", um die Unterstützung zu organisieren und dauerhaft abzusichern.

Heute hilft sie über 1000 Kindern

Mittlerweile profitieren rund 1200 Mädchen und Buben von den Spenden. Mehr als 800 Unterstützer finanzieren Patenschaften. Mit etwa 40 Euro im Jahr werden Schulkleidung und Lernmaterial bezahlt – oft die Voraussetzung dafür, dass ein Kind überhaupt in die Schule gehen kann.

Auch vor Ort ist die Hilfe gewachsen. Ein Mitarbeiter koordiniert die Projekte. Seine eigene Geschichte zeigt den Effekt: Während seiner Arbeit im Verein hat er zwei Masterstudien abgeschlossen.

Ein Leben, das immer neu beginnt

Refaei ist heute 82 Jahre alt und lebt in Wiener Neustadt. Ihr Lebensweg ist alles andere als geradlinig. Sie war Hausfrau, arbeitete in der Jugendbewährungshilfe, leitete den Sozialen Dienst im Frauengefängnis Schwarzau und führte später eine Praxis als Psychotherapeutin.

Mit dem Ethnologie-Studium begann ein neuer Abschnitt – jener, der sie nach Akropong und zu ihrer Rolle als Königin geführt hat. Ein Ritual machte sie zur Königin – doch entscheidend war, was daraus wurde: Hilfe, die bis heute tausenden Kindern eine Chance gibt.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 04.04.2026, 11:30
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