Handtücher, Bettwäsche oder Putzlappen gelten für viele nur dann als "richtig sauber", wenn sie im 90-Grad-Programm gelandet sind. Doch dieses Denken stammt aus einer Zeit, als Waschmaschinen technisch einfacher waren und Waschmittel bei niedrigen Temperaturen weniger leisteten.
Heute steuern moderne Geräte Temperatur, Trommelbewegung und Laufzeit viel präziser. Moderne Waschmittel entfalten ihre Wirkung bereits bei deutlich geringeren Gradzahlen.
Wie chip.de unter Berufung auf Nordbayern berichtet, ist die Kombination aus Temperatur und Waschmittel entscheidend – nicht die 90 auf dem Display. Wäsche-Expertin Yvonne Kiel von Miele erklärt, dass für Handtücher, Bettwäsche oder normal verschmutzte Baumwollwäsche ein Kochwaschgang praktisch nie notwendig sei.
Bei haushaltsüblichen Hygieneanforderungen reicht in der Regel ein Waschgang bei 60 Grad in Verbindung mit einem Vollwaschmittel mit Bleiche. Bei dieser Temperatur werden bereits die meisten im Alltag relevanten Bakterien deaktiviert.
Für Fälle wie Magen-Darm-Infekte oder besonders kritische Textilien wie Putzlappen gibt es spezielle Hygieneprogramme moderner Waschmaschinen. Diese arbeiten ebenfalls mit 60 Grad, halten die Temperatur aber über einen längeren Zeitraum konstant. Das Ergebnis: 99,99 Prozent der getesteten Bakterien und Pilze werden deaktiviert.
Ganz überflüssig ist das 90-Grad-Programm nicht, es bleibt aber die Ausnahme. Sinnvoll kann Kochwäsche sein, wenn medizinische oder hygienische Vorgaben ausdrücklich 90 Grad verlangen – etwa bei einem geschwächten Immunsystem oder akuten, ansteckenden Erkrankungen im Haushalt.
Fazit: Wer aus Gewohnheit alles bei 90 Grad wäscht, zahlt drauf. Nebenbei sinkt bei 60 Grad der Energieverbrauch deutlich, und die Textilien werden weniger stark strapaziert.