Für Norwegen wird der 9. September zum Tag des Abschieds: König Harald V. (†89) wird unter großer Anteilnahme durch Oslo geleitet. Schon am Vormittag versammelt sich die engste Familie zu einer privaten Abschiedsstunde in der Schlosskapelle. Der Sarg des Monarchen ist mit der Königsstandarte bedeckt, darauf liegen Krone und Reichsschwert.
Ab 10 Uhr stehen Paradeeinheiten auf der Akershus-Festung bereit, wenig später beziehen rund 1.900 Soldatinnen und Soldaten entlang der Route ihre Positionen. Gegen Mittag füllt sich die Innenstadt mit Tausenden Trauernden, während Großleinwände für die Öffentlichkeit aufgestellt werden.
Um 12 Uhr öffnet sich das Schlosstor, gleichzeitig ertönt an neun Salutstationen ein Trauersalut mit 21 Schüssen. Auf einer Kanonenlafette wird der Sarg, gezogen von einem schwarzen militärischen Mercedes-Benz-Geländewagen, über die Karl Johans gate und Kirkegata zum Osloer Dom gebracht.
König Haakon, Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, Prinz Sverre Magnus, Königin Sonja und Prinzessin Märtha Louise begleiten Harald auf seinem letzten Weg. Weiter hinten folgen auch Märtha Louises Kinder und Mette-Marits Sohn Marius. Hinter der Familie reihen sich ausländische Royals, Staats- und Regierungschefs sowie weitere Ehrengäste ein.
Gegen 12.40 Uhr erreicht der Sarg den Dom, um 13 Uhr beginnt die rund einstündige Trauerfeier. Die Kathedrale bietet dafür statt der üblichen 800 Plätze rund 1.000 Menschen Raum. Präses Olav Fykse Tveit leitet den Gottesdienst, beteiligt sind unter anderem die Osloer Bischöfin Sunniva Gylver, Domkantor Marcus André Berg und der Domchor.
Musik soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Drei Glockenschläge läuten zudem eine landesweite Schweigeminute ein, in der auch der öffentliche Verkehr ruhen soll. Eine Minute später beenden drei weitere Schläge das stille Gedenken.
Zum Abschied reisen zahlreiche gekrönte Häupter nach Oslo: Prinz William kommt aus Großbritannien, während König Charles III. protokollgemäß fernbleibt. Erwartet werden außerdem die Königsfamilien aus Schweden, Dänemark, Spanien, den Niederlanden und Belgien sowie das japanische Kronprinzenpaar und Jordaniens König Abdullah II. Deutschland wird durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Auch Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde bereits in Norwegen gesichtet und wird demnach als Gast erwartet.
Insgesamt sollen bis zu 700 Journalistinnen und Journalisten berichten. Nach der Feier folgt gegen 14 Uhr ein weiterer, kleinerer Trauerzug zur Akershus-Festung. Dort findet die private Beisetzungszeremonie statt; anschließend wird der Sarg in die Krypta der Schlosskirche hinabgelassen, wo im königlichen Mausoleum bereits Haakon VII., Königin Maud, Olav V. und Kronprinzessin Märtha ruhen.
Die Zeremonie bleibt weitgehend privat, neben der Familie und königlichen Gästen nehmen auch hochrangige Staatsvertreter teil. Für Sicherheit sorgt ein massives Aufgebot: Ein Polizeisprecher spricht von einem "sehr großen, vielleicht sogar einem der größten Polizeieinsätze überhaupt". Teile der Innenstadt werden gesperrt, es gibt Taschenkontrollen, Regenschirme sind nicht erlaubt und Unterstützung kommt auch aus Schweden und Dänemark.
Um 15.20 Uhr folgt der letzte große Moment: An allen neun Stationen werden zweimal 21 Schüsse abgefeuert, die Flaggen steigen von Halbmast auf Vollmast und die Kirchenglocken läuten eine Stunde lang. Danach kehrt die Familie zum Schloss zurück, wo das neue Königspaar mit weiteren Angehörigen auf dem Balkon erscheinen soll.
Um 17 Uhr beginnt dort der Empfang für Royals, Staatsgäste und weitere geladene Gäste. Die Hoftrauer dauert unterdessen bis 9. Oktober an – offizielle Termine werden weitgehend gestrichen, dunkle Kleidung oder Uniformen mit Trauerflor bestimmen den Auftritt der Königsfamilie.