Es war ein Paukenschlag: Nach dem Erdrutschsieg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September traf am Dienstag erstmals der neugewählte Landtag in Magdeburg zusammen. Dabei wurde AfD-Politiker Tobias Rausch (35) zum Landtagspräsidenten gewählt.
Der 35-Jährige ist der erste Landtagspräsident, den die AfD stellt. Insgesamt beteiligten sich 82 Abgeordnete an der Wahl. Ganze 48 von ihnen stimmten für Rausch, gegen den AfD-Politiker sprachen sich 19 Abgeordnete aus. Um im ersten Wahlgang ins Amt zu kommen hätte der 35-Jährige mindestens 42 Stimmen benötigt.
Zuvor hatte bereits das BSW seine Unterstützung für die AfD angekündigt. Besonders brisant: Mit den Stimmen von AfD (39) und BSW (5) wäre Rausch nur auf 44 Ja-Stimmen gekommen. Somit ist klar, dass es in den anderen Fraktionen mindestens vier Abweichler gegeben haben muss.
In seiner neuen Funktion vertritt Rausch nun das Parlament nach außen. Zudem steht er an der Spitze der Landtagsverwaltung. Sollte er einmal ausfallen, vertritt ihn ein Parteikollege. Bei diesem handelt es sich um Hans-Thomas Tillschneider (48). Er wurde mit 44 Stimmen zum Vize-Landtagspräsidenten gewählt.
Im Wahlkampf machte der 48-jährige AfD-Politiker noch mit einer Russen-Tasse auf sich aufmerksam. Bei einem Besuch in Tillschneiders Wahlkreisbüro in Querfurt stieß "Bild"-Vize Paul Ronzheimer auf die Tasse mit dem Aufdruck der russischen Armee.
Darauf angesprochen erklärte der AfD-Mann, dass es sich dabei um ein Geschenk gehandelt habe und sie ihm nichts weiter bedeute. Anders sahen dies Kritiker. Für sie sei es ein Beweis der Russland-Nähe Tillschneiders. Inzwischen hat der 48-Jährige die Tasse jedenfalls versteigert.