Vom Zeilen-Diss zum Politik-Dreh: Capital Bra überrascht mit Aussagen, die man von ihm so wohl kaum erwartet hätte. Der Rapper, der einst in seinen Songs "AfD-Mitglieder" in den Kofferraum packte, zeigt plötzlich Verständnis für die Partei.
In einem Livestream mit Influencer Vegeraldt Belkason erklärte der 30-Jährige: "Früher habe ich die AfD sehr, sehr, sehr, sehr kritisiert. Mittlerweile denke ich mir, bei manchen Sachen haben sie recht."
Grund für seinen Sinneswandel: die vermeintliche Ungleichbehandlung bei der Vergabe der Staatsbürgerschaft.
"Ich habe 22 deutsche Nummer-eins-Hits, ich habe vier deutsche Kinder, ich habe eine deutsche Frau gehabt. Die geben mir trotzdem keinen deutschen Pass", beklagte er. "Auf einmal kommen hier Leute her, die wohnen hier einen Monat, die kriegen einen deutschen Pass."
Damit schlägt der Rapstar plötzlich Töne an, die viele seiner Fans verwundern dürften. Schließlich war Capital Bra bislang alles, nur kein Freund rechter Rhetorik.
In früheren Jahren hatte er die AfD nicht nur verbal angegriffen, sondern in Texten regelrecht zerlegt. In "Sturmmaske auf" rappte er gemeinsam mit Kollegah und Farid Bang: "Mein Kofferraum ist voll mit AfD-Mitglieder. F*** ihre Mütter, breche ihre Kiefer."
2018 nannte er Rechtspopulisten in "Gutes Herz" schlicht "Heuchler". Und noch 2017 wetterte er im RBB-Interview: "An die AfD und an alle, die die AfD gewählt haben: Ihr seid auf jeden Fall richtige Hurensöhne."
Dass sich Capital Bra jetzt ausgerechnet positiv auf die AfD bezieht, überrascht nicht nur politisch Interessierte, sondern auch seine eigene Fanbase. Schließlich gilt der Musiker mit neun Alben, 22 Nummer-eins-Hits und über 40 Edelmetall-Auszeichnungen als eine der lautesten Stimmen der Straße und nicht der rechten Szene.
Doch offenbar trifft ihn das Thema Staatsbürgerschaft persönlich. Der in Russland geborene und in der Ukraine aufgewachsene Rapper lebt seit vielen Jahren in Deutschland und versteht nicht, warum er trotz Steuerzahlungen "in sehr großen Summen" noch immer keinen deutschen Pass erhält.
Politische Ambitionen? Fehlanzeige. "Ich hab mit Politik nichts zu tun", betonte er schon 2017. Damals nannte er Wladimir Putin noch einen "Playboy", widmete ihm aber kurz darauf den Song "Vladimir Putin". Ein Beweis dafür, dass Capital Bra schon immer ein Mann der Widersprüche war.
Ein Rapper, der früher gegen die AfD wetterte und heute ihre Argumente zitiert. Ob das Kalkül, Verzweiflung oder einfach ein weiterer "Bratan-Moment" ist, bleibt offen. Sicher ist nur: Capital Bra hat wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Und zwar nicht mit einem neuen Song, sondern mit einem politischen Kurswechsel.