Österreich-News

AGES-Chef: Tragen von Masken "teilweise überzogen"

Der Infektionsmediziner und Chef der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Franz Allerberger hält das Tragen von Schutzmasken in bestimmten Bereichen für "überzogen".
12.05.2020, 12:25

Seit einigen Wochen haben wir uns an sie gewöhnt. In den öffentlichen Verkehrsmitteln, Supermärkten und anderen Geschäften ist das Tragen einer Schutzmaske verpflichtend. Ein Medizinier lässt nun mit einer streitbaren Aussage aufhorchen.

Laut Franz Allerberger, dem Chef der AGES, sei das Tragen einer Schutzmaske in vielen Bereichen der Öffentlichkeit "teilweise überzogen". Insbesondere im Freien ergebe es "überhaupt keinen Sinn“, wenn sich keine anderen Menschen in der Nähe aufhalten, so Allerberger im "Ö1-Morgenjournal". Beim Sport im Freien oder beim Spazierengehen "bringt das mit Sicherheit keinen Nutzen".

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Übertragungsrisiko im Freien "sehr, sehr gering"

Das Übertragungsrisiko im Freien sei laut dem Infektionsmediziner "sehr, sehr gering". Ganz ausschließen könne man es nicht. Es ist schon möglich, sich anzustecken, "wenn man mit drei, vier Leuten im Freien eng zusammensteht", so Allerbauer. Belegen könne man diese Ansteckungen aber nicht. "Wir kennen keinen Fall, wo man sich im Autobus oder im Freien angesteckt hat", erklärt der Berater von Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Das Hauptproblem seien enge Kontakte. Bei den Tausenden Fällen, die in Österreich nachverfolgt wurden, habe es engeren Kontakt zu einer anderen Person von zumindest einer Viertelstunde gegeben.

Als die Zahl der Fälle in Österreich zurückging, plädierte Allerberger für die Lockerung der Maßnahmen, die Regierung sprach jedoch von der "Ruhe vor dem Sturm". Ein zweiter Lockdown sei ebenso wenig zielführend: "Das können wir uns gar nicht leisten, weil auf Dauer die wirtschaftlichen Kollateralschäden die Schäden vom Coronavirus übersteigen werden." 

Ob Schutzmasken in der Schule und in den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Übertragung verhindern, sei unklar. Sie könnten laut Allerbauer zwar das Schutzgefühl erhöhen, eine nachgewiesene Infektionsverhinderung gebe es aber nicht. In Spitälern, Ordinationen und Pflegeheimen ist es "überhaupt keine Frage", dass diese Maßnahme sinnvoll sei, so der Arzt.

Im Vergleich mit der bisher bekannten Grippe sei das Coronavirus etwa dreimal so ansteckend, aber sechsmal weniger ansteckend als etwa Masern.

Zweiter Lockdown nicht zielführend

Bereits vor wenigen Tagen ließ der Facharzt in einem "profil"-Interview aufhorchen: "Dieses Virus ist nicht so ansteckend, wie manche annehmen", meinte der Top-Mediziner. Überhaupt sei die Wirkung einzelner Maßnahmen unklar: "Niemand kann sagen, ob die Rückgänge bei den Neuinfektionen in Europa eine Folge des Lock-down waren oder ob es am wärmeren Wetter oder an sonst etwas liegt."

Mehr zum Thema