Sport

Akt Sailer: Prostituierte sprach in Botschaft vor

Neue Enthüllungen werfen ein weiteres Schlaglicht auf die Vorgänge vor 44 Jahren. Wie Kanzler Kreisky intervenierte, welche Rolle der ÖSV spielte.
Heute Redaktion
13.09.2021, 21:47

Der Kriminalfall aus dem Jahr 1974 sorgt seit Tagen in Österreich für Gesprächsstoff. Nach zahlreichen Berichten über sexuelle Gewalt im heimischen Skisport wurde einer Recherche-Gemeinschaft von Standard, Ö1und DossierEinsicht in die alten Akten des Staatsarchivs im Fall Toni Sailer gewährt.

Der Vorwurf



Die Skilegende war 1974 in seiner Funktion als Rennsportleiter des ÖSV im polnischen Zakopane. In einem Hotelzimmer wurde eine polnische Prostituiere schwer verletzt. Anwesend offenbar: Toni Sailer und zwei weitere Männer. Wie Akt eins des Falls zeigte, habe die österreichische Regierung erfolgreich interveniert, sodass die Anklage gegen Sailer fallen gelassen wurde.

Am Freitag wurde der zweite Teil veröffentlicht (hier das Original, auf standard.at). Wie es im Standardheißt, lasse der keine Zweifel an einer Intervention des damaligen Regierungschefs Österreichs, Bruno Kreisky.

300.000 Zloty Schmerzengeld

Der heute 73-jährige frühere Botschaftsbeamte Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel erinnert sich an ein Gespräch mit dem mutmaßlichen Opfer Janina S.. Sie sei in die österreichische Botschaft gekommen, habe versucht, eine Entschädigung oder Schmerzensgeld zu erhalten.

"Im Prinzip" habe sie glaubwürdig gewirkt, allerdings ließe sich "der Eindruck, dass es sich um eine Art Erpressungsversuch handle, nicht ganz vermeiden".

Janina S. sagte den Beamten der Botschaft, sie hätte bei Gericht 300.000 Zloty (rund 300.000 Schilling, heute 21-000 Euro) verlangt und hoffe außergerichtlich 150.000 Zloty zu erhalten. "Herr Sailer" müsse "für sein Verhalten büßen", sie müsste "die Ehre der polnischen Frau retten". Die Botschaft stellte der Frau frei, sich an Herrn Sailer zu wenden.

Nachdem das Verfahren eingestellt worden war, meldete sie sich nicht mehr. Es gibt Hinweise darauf, dass die Frau vor einigen Jahren gestorben ist.

Was wusste ÖSV?



Der österreichische Skiverband wollte mit dem Fall Sailer zuletzt nichts zu tun haben. ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner sagte: "Das war keine ÖSV-Geschichte, das war nur eine Geschichte von Toni Sailer."

Die neuen Erkenntnisse lassen an dieser Sichtweise Zweifel aufkommen. Wenige Tage nach der mutmaßlichen Vergewaltigung habe das Außenministerium angekündigt, von den die "peinliche Situation herbeigeführt habenden Funktionären des österreichischen Skiverbandes die alsbaldige Refundierung der Kaution" zu verlangen, heißt es im Standardwortwörtlich.

Für all jene, die den Überblick verloren haben, hier zur Erinnerung der erste Teil des Falls:

(Heute Sport)

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