In Europa wächst die Sorge vor einer neuen Eskalation im Ukraine-Krieg. Wie die spanische Zeitung "El Mundo" berichtet, sollen US-Geheimdienste mehrere europäische Regierungen vor einem möglichen russischen Drohnen-Szenario gewarnt haben. Im Fokus stehen demnach Spanien, Frankreich und Italien.
Die Warnung dreht sich laut Bericht um einen ungewöhnlichen Angriffsweg: Drohnen könnten auf Handelsschiffen der russischen Schattenflotte versteckt und später aus dem Mittelmeer gestartet werden. Eine Quelle aus dem Umfeld des litauischen Verteidigungsministeriums mahnte: "Sie würden Drohnen vom Meer aus einsetzen, versteckt im Container eines Schiffes; das ist überhaupt nicht schwierig."
Genannt werden russische Drohnentypen wie Gerbera und Geran-2. Diese Drohnen sind rund zwei Meter lang, haben eine Spannweite von etwa 2,5 Metern. Als mögliche Startdistanz werden 200 bis 300 Kilometer vor der Küste genannt, ihre Maximalreichweite beträgt rund 600 Kilometer.
Die mögliche Wirkung wäre laut den Berichten weniger auf massive Zerstörung ausgelegt. Vielmehr könnten kleinere Sprengladungen Brände auslösen, offene Anlagen beschädigen oder den Betrieb eines Hafens oder Flughafens vorübergehend stören. Damit ginge es auch um politischen und wirtschaftlichen Druck.
Öffentlich bestätigt ist die konkrete Warnung allerdings nicht. Weder die CIA noch die Regierungen der betroffenen Länder haben bisher Details zu einer solchen Alarmmeldung offiziell bestätigt. Auch ein konkretes Ziel, ein Datum oder ein bestimmtes Schiff wurden nicht öffentlich genannt.
Die Berichtslage passt jedoch in eine Phase erhöhter Nervosität in Europa. Mehrere Regierungen beobachten seit Monaten Drohnenvorfälle, Sabotageverdacht und sogenannte hybride Bedrohungen im Umfeld des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Frankreich hat zuletzt den Schutz kritischer Infrastruktur und sensibler Anlagen verstärkt.
Auch Polen warnte zuletzt vor möglichen Attacken gegen Staaten, die die Ukraine unterstützen. Der polnische Regierungschef Donald Tusk sprach am 17. September von Geheimdienstbewertungen, wonach russische Pläne hybride Angriffe mit Drohnen oder Raketen umfassen könnten. Dabei ging es ausdrücklich um den östlichen NATO-Raum, nicht um Starts von Handelsschiffen im Mittelmeer.
Für Spanien, Frankreich und Italien wäre ein solches Szenario vor allem deshalb heikel, weil Häfen, Flughäfen und Tourismusregionen wirtschaftlich sensible Ziele darstellen. Ein einzelner Vorfall müsste nicht großflächig zerstören, um Wirkung zu entfalten: Schon kurze Sperren, Brände oder Sicherheitsalarme könnten starke Folgen haben.
Fest steht: Die Warnung bleibt bisher eine nicht öffentlich belegte Geheimdienstinformation. Klar ist aber auch, dass Russland diesen Krieg längst nicht mehr nur an der Front in der Ukraine führt.