An der Front in der Ukraine bleibt die Lage angespannt. Oberst Markus Reisner beschreibt im Gespräch mit ntv.de eine Situation, in der beide Seiten zunehmend mit denselben Problemen kämpfen: Drohnenangriffe setzen vor allem die Versorgung unter Druck.
Mit einer Gegenoffensive im Raum Lyman sei es ukrainischen Kräften gelungen, russische Truppen zurückzudrängen. Reisner führt das auf schwieriges Gelände für den Angreifer, die Konzentration ukrainischer Kräfte und den Einsatz von Eliteeinheiten zurück.
Doch aus dem militärischen Erfolg entsteht laut Reisner sofort die nächste Herausforderung. "Jetzt steht die Ukraine allerdings vor derselben Herausforderung wie Russland", sagt er. Gemeint ist die Versorgung der eigenen Truppen unter ständigem Druck gegnerischer Drohnen.
Diese Drohnen sollen nicht nur Ziele aufklären, sondern auch Logistikwege stören und Einheiten treffen. Ob die Ukraine den Raum länger halten kann, hänge laut Reisner davon ab, ob Russland die Versorgung nachhaltig unterbrechen kann – oder ob die ukrainischen Kräfte den Drohnenangriffen weiter etwas entgegensetzen.
"Derzeit sieht es so aus, als habe die Ukraine den Raum konsolidiert. Entscheidend wird sein, ob Russland die ukrainische Logistik nachhaltig stören kann. Gelingt das, dürfte die Ukraine Schwierigkeiten haben", so der österreichische Offizier: "Kann sie den Drohnenangriffen dagegen dauerhaft etwas entgegensetzen, ist es durchaus möglich, dass der Raum zumindest vorübergehend gehalten wird. Inzwischen nähert sich der Winter und der Druck auf strategischer Ebene nimmt weiter zu."
Reisner spricht außerdem von einer zunehmenden hybriden Bedrohung gegenüber Europa. Aus russischer Sicht werde die Unterstützung der Ukraine durch westliche Staaten als Einflussnahme auf den Kriegsverlauf dargestellt. Das könne laut seiner Einschätzung dazu beitragen, den Konflikt über die Ukraine hinaus politisch und militärisch weiter aufzuladen.
Klar ist: Drohnen spielen weiterhin eine zentrale Rolle. Sie prägen nicht nur den Frontverlauf in der Ukraine, sondern auch die Überlegungen der NATO an ihrer Ostflanke. Vor allem im Baltikum werde versucht, Lehren aus dem Krieg zu ziehen und Schutzkonzepte gegen Drohnen aufzubauen.