Zuletzt intensivierte die Ukraine Angriffe auf russische Ölraffinerien und Logistikzentren. Kreml-Despot Wladimir Putin droht nun offen mit "Gegenmaßnahmen". Kiew habe die "Büchse der Pandora" geöffnet, so der russische Präsident.
Laut Putin werden "die Handlungen der russischen Armee noch deutlich spürbarer und zerstörerischer ausfallen". Diese Reaktion hätte Kiew selbst provoziert, urteilte der Kreml-Chef. Fraglich ist, wie diese Schläge aussehen werden. Bereits zuletzt hatte Russland die Ukraine immer öfter mit ballistischen Raketen attackiert, da das Land kaum noch über Abwehrraketen verfügt.
Oberst Markus Reisner zeichnete am Sonntagabend in der ZIB2 ein düsteres Bild vom weiteren Kriegsverlauf in der Ukraine. Besonders die Versorgung mit Abwehrraketen bereitet dem Militärexperten Sorgen.
Die derzeit vorhandenen Mengen würden laut Reisner nicht ausreichen. Der ukrainische Präsident Wolodymir Selenskyj brauche rund 300 Abwehrraketen, für die kommenden sechs Monate seien etwa 50 Stück notwendig. Europas Produktion hinke dem Bedarf jedoch deutlich hinterher.
Gleichzeitig seien die USA nicht bereit, weiterhin im selben Ausmaß Raketen abzugeben wie in den vergangenen Jahren. Dahinter sieht Reisner auch die Strategie von US-Präsident Donald Trump. Dieser wolle Druck auf beide Kriegsparteien ausüben, um einen Waffenstillstand zu erreichen und einen politischen Erfolg verkünden zu können.
Die amerikanische Zurückhaltung könnte allerdings Moskau in die Hände spielen. Auf eine entsprechende Frage von Zimmermann antwortete Reisner deutlich: "Sie sind auch hier völlig am Punkt."
Genau deshalb steigere Russland derzeit seine Angriffe und setze dabei auch neue Waffensysteme ein. "Russland ist überzeugt davon, diesen Krieg für sich entscheiden zu können", erklärte der Oberst.
Die fehlende beziehungsweise nachlassende Unterstützung durch die USA werde in Moskau als Achillesferse der Ukraine gesehen. Russland versuche nun, genau diese Schwäche auszunutzen.
Reisner äußerte sich auch zu Drohnen, die über NATO-Staaten auftauchen. Dabei müsse man laut dem Experten zwischen zwei Entwicklungen unterscheiden.
Einerseits führe die Eskalation des Luftkrieges dazu, dass sich Drohnen in Nachbarländer der Ukraine verirren könnten. Andererseits gebe es laut Reisner gezielte Drohneneinsätze, die Teil der hybriden Kriegsführung Russlands gegen Europa seien. Als Beispiel nannte er einen Vorfall am Leipziger Flughafen.
Aus russischer Sicht würden einige europäische Staaten bereits als Kriegsparteien betrachtet. Reisner nannte dabei etwa Deutschland, wo Bestandteile für Drohnen produziert werden. Russland versuche deshalb, den Druck auch auf NATO-Gebiet zurückzugeben.
Besonders dramatisch könnte die Situation in der Ukraine in den kommenden Monaten werden. Reisner rechnet mit einem "sehr harten Winter". Nach seinen Angaben sind bereits bis zu 80 Prozent der ukrainischen Energieinfrastruktur zerstört.