Seit 2022 sind mehr als 80 ukrainische Soldaten, die in Deutschland für den Krieg in der Ukraine ausgebildet werden, allein in Sachsen-Anhalt von ihrem Übungsplatz geflüchtet. Das zeigen aktuelle Recherchen der Wochenzeitung "Die Zeit".
In ganz Deutschland soll es demnach mehrere Hundert solcher Fälle geben. Die Männer gelten nach ukrainischem Recht als Deserteure. Ihnen drohen daheim bis zu zwölf Jahre Haft. Viele von ihnen haben sich in der Ukraine nicht freiwillig zur Armee gemeldet, sondern wurden zwangsrekrutiert.
Als sie dann zur Ausbildung auf den Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt geschickt wurden, haben sie laut dem Bericht die Gelegenheit zur Flucht genutzt. Anders als Ukrainer, die nach Deutschland flüchten, fallen ukrainische Soldaten in Deutschland nicht unter Paragraf 24 des deutschen Aufenthaltsgesetzes.
Dieser Paragraf sieht Schutz vor, wenn jemand aus der "Ukraine vertrieben" wurde. Das gilt aber nicht für Soldaten, die von ihrer Regierung nach Deutschland geschickt wurden.
Seit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 haben rund 29.000 ukrainische Soldaten eine mehrwöchige Ausbildung in Deutschland gemacht. Anfangs kamen hochmotivierte, erfahrene Soldaten, die auf den verschiedenen Übungsplätzen in Deutschland mit Haubitzen und Panzern trainiert wurden.
Jetzt, wo die Ukraine immer schwerer Freiwillige für den Kampf gegen Russland findet, werden zunehmend unerfahrene und kampfunwillige Männer eingezogen.