Der neue ukrainische Armeechef Mychajlo Drapatyj will die Streitkräfte mit mehreren Reformen neu ausrichten. Der General, der seit zwölf Jahren in verschiedenen Führungsfunktionen gegen russische Angriffe kämpft, setzt dabei auf mehr Entscheidungsfreiheit an der Front, moderne Technologie und weniger Bürokratie.
Wie Militärexperte Nico Lange auf X schreibt, sollen Bataillons- und Brigadekommandeure operative Entscheidungen künftig selbst treffen können – "ohne langwierige Genehmigungsverfahren durch höhere Kommandostellen durchlaufen zu müssen".
Zudem soll der Schutz der Soldaten Vorrang erhalten. "Die Doktrin des 'Um jeden Preis-Haltens von Stellungen' soll durch eine Manöververteidigung ersetzt werden", schreibt Lange. Keine Einheit soll verpflichtet sein, eine Stellung zu halten, wenn dadurch eine Einkesselung oder ungerechtfertigte Verluste drohen. Außerdem sollen Kommandeure, die laut Lange "keine Anpassungsfähigkeit und keine Sorge um ihre Truppen zeigen", aus ihren Führungspositionen entfernt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau moderner Waffensysteme. "Der Einsatz von Drohnen, elektronischen Kampfsystemen und Roboterplattformen soll bis auf Kompanie- und Bataillonsniveau ausgeweitet werden. Wann immer möglich, soll die Technologie den Auftrag erfüllen, bevor Infanterie eingesetzt wird", schreibt Lange. Gleichzeitig sollen bürokratische Verfahren für Fronteinheiten deutlich vereinfacht werden.
Drapatyj erklärte zuletzt nach einem Gespräch mit dem NATO-Oberbefehlshaber in Europa, Alexus Grynkewich, das weitere Vordringen russischer Truppen verhindern zu wollen. "Wir arbeiten daran, die Verluste des Feindes an Kampfkraft zu erhöhen und gleichzeitig die kriegswirtschaftlichen Kapazitäten Moskaus zu schwächen. Um dies zu erreichen, setzen wir auf asymmetrische Ansätze und ukrainische Technologien."