Zahlreiche Tote

Putin zerbombt Ausstellung, Ukraine sein "Amazon"

Ein russischer Raketenangriff auf eine Rüstungsmesse nahe Kiew forderte zehn Todesopfer, die Ukraine schlug mit eigenen Angriffen zurück.
Newsdesk Heute
24.07.2026, 21:23
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Bei einem russischen Raketenangriff in der Region Kiew sind laut aktuellen Informationen zehn Menschen ums Leben gekommen. Fast 100 weitere Personen wurden verletzt, das teilte der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko am Freitag auf Telegram mit. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj von sechs Toten und dutzenden Verletzten gesprochen.

Mehrere Vertreter der ukrainischen Rüstungsindustrie sagten, dass der Angriff einer zuvor in Onlinenetzwerken angekündigten Fachausstellung der Verteidigungsbranche gegolten habe. Unter den Opfern sollen auch Branchenvertreter gewesen sein. Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörten am Freitag Explosionen in Kiew.

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Die Behörden hatten kurz davor vor Raketen gewarnt, die auf die Hauptstadt zusteuerten. Die Staatsanwaltschaft hat laut Krawtschenko Ermittlungen wegen möglicher Fahrlässigkeit mit Todesfolge eingeleitet. Es werde untersucht, wer die Veranstaltung beschlossen und Ort, Zeitpunkt sowie Ablauf genehmigt hat.

Fast 100 weitere Personen wurden verletzt, das teilte der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko am Freitag auf Telegram mit.
Press service of the State Emergency Service of Ukraine/Handout via REUTERS

Außerdem wird geprüft, ob die Gefahrenlage richtig eingeschätzt wurde. Ein Berater von Selenskyj für Verteidigungsfragen kritisierte militärische Veranstaltungen, bei denen es für die Teilnehmer keine Schutzräume gibt und die im Vorfeld öffentlich gemacht werden.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 stehen ukrainische Verantwortliche immer wieder in der Kritik, weil sie militärische Veranstaltungen wie Medaillenverleihungen ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen abhalten. Diese wurden dann wiederholt Ziel russischer Angriffe.

Ukraine greift erneut russische Wildberries-Lager an

Zum dritten Mal innerhalb einer Woche haben ukrainische Drohnen indes Lager des russischen Online-Händlers Wildberries angegriffen. Die Zerstörung ist groß, mindestens acht Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Kiew sieht das Unternehmen, das für russische Konsumenten und Händler sehr wichtig ist, als bedeutend für die russische Militärlogistik.

Wildberries gilt als das "russische Amazon". Die Plattform ist in Russland extrem beliebt, weil sie eine riesige Produktpalette bietet und schnell im ganzen Land liefert. Gegründet wurde das Unternehmen 2004 von Tatjana Kim. Sie ist heute laut "Forbes" die reichste Frau Russlands und war früher Englischlehrerin.

Kim ist Mutter von sieben Kindern und ihr Vermögen wird auf rund 7,1 Milliarden Euro geschätzt. Das Geschäftsmodell von Wildberries basiert auf einem dichten Netz aus zehntausenden Abholstellen, die selbst in kleinen Städten Russlands und in Nachbarländern zu finden sind. Das Unternehmen gibt an, täglich über 20 Millionen Transaktionen abzuwickeln.

Am Freitag sind mehrere Logistikzentren von Wildberries bei Sankt Petersburg in Brand geraten. Auch ein Lager in Simferopol auf der annektierten Krim wurde angegriffen. Schon wenige Tage davor hat es Standorte in Krasnodar und Newinnomysk im Süden Russlands getroffen. Am vergangenen Wochenende waren Lager in der Hauptstadtregion und in der Oblast Tambow Ziel von Angriffen.

Kiew sieht das Unternehmen, das für russische Konsumenten und Händler sehr wichtig ist, als bedeutend für die russische Militärlogistik.
SOCIAL MEDIA/via REUTERS

"Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll"

All diese Attacken haben schwere Brände ausgelöst. Kilometerweit waren schwarze Rauchwolken sichtbar, die Schäden dürften enorm sein. Bis zu 800.000 Händler arbeiten laut Analysten mit Wildberries zusammen und verkaufen ihre Waren über das Netzwerk. Viele Unternehmer sind durch die Angriffe hart getroffen.

"Ich habe den ganzen Vormittag geweint, weil unser Geschäft möglicherweise schließen muss", schildert die Bloggerin Marina Gorschkowa in einem Video. Sie verkauft seit Jahren mit ihrem Mann Kosmetikartikel – 35 bis 40 Prozent ihrer Bestände sind durch die Brände zerstört worden. "Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Dieses Jahr war für Unternehmer insgesamt schwierig, und der Brand war der Todesstoß", sagt auch Kristina Scheluchina. Sie stellt nach eigenen Angaben seit 2024 Bücher und Kleidung für Kinder her und verkauft diese.

Wildberries-Chefin Kim hat am Mittwoch versprochen, den Verkäufern Entschädigungen für verlorene Waren zu zahlen. Es würden "vorrangig die kleinsten und am wenigsten geschützten Unternehmer" unterstützt, so Kim. Im Internet gibt es aber zahlreiche Beschwerden von Verkäufern, etwa über die Höhe der Entschädigungen.

Ukraine greift Raffinerien und Ölterminals an

Aus dem Westen kommt der Vorwurf, dass Wildberries die Umgehung westlicher Sanktionen erleichtert, weil dort Waren angeboten werden, die es in Russland sonst nicht gibt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschuldigt das Unternehmen außerdem, "Drohnenkomponenten, Navigationsgeräte und militärische Ausrüstung" zu lagern und zu transportieren. Moskau weist das zurück.

Die Angriffe auf die Lagerhäuser von Wildberries sind Teil einer ukrainischen Strategie mit Langstreckenangriffen auf zivile Infrastruktur in Russland. Ziel ist es, den Kreml zu Verhandlungen über ein Ende des Krieges zu bewegen. Ende Juni hat Selenskyj eine "40-tägige Operation" angekündigt, um Druck auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu machen. Neben den Wildberries-Lagern nimmt die Ukraine vor allem Raffinerien und Ölterminals mit Drohnen ins Visier, was bereits zu Engpässen bei Treibstoff in Russland geführt hat.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.07.2026, 21:23