Mit Geldversprechen, dubiosen Jobangeboten oder unter Zwang sollen Männer aus dem Ausland für Russlands Krieg gegen die Ukraine rekrutiert werden. Zu diesem Schluss kommt eine neue ZDF-Dokumentation, die Betroffene und Ermittler zu Wort kommen lässt.
Laut der ZDF-Dokumentation "Putins Kanonenfutter – Wie Ausländer an die Front gelockt werden" stammen viele Kämpfer auf russischer Seite inzwischen aus dem Ausland. Reporter Arndt Ginzel recherchierte dazu in der Ukraine und in Indien. Eine Anfang Juli veröffentlichte Studie des Zentrums für Strategische und Internationale Studien (CSIS) schätzt die Zahl der getöteten russischen Soldaten seit Kriegsbeginn auf 400.000 bis 450.000.
Besonders eindrücklich sind die Schilderungen mehrerer Inder. Sie reisten nach eigenen Angaben als Touristen nach Russland, wurden wegen angeblicher Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht festgenommen und anschließend vor die Wahl gestellt: Militärvertrag oder Gefängnis.
Einer der Männer berichtet in der Doku: "Mit uns waren auch welche aus Kamerun hier. Bevor wir gekommen sind, waren auch noch zwei andere Inder hier. Einer hat einen Treffer abbekommen, der halbe Körper ist weggeflogen. Und einer hat eine Fußverletzung."
Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes begann Russland 2024 mit der Anwerbung von Kenianern, 2025 sei das Vorgehen systematisch geworden. Geworben worden sei unter anderem per WhatsApp mit einer Bonuszahlung von umgerechnet 10.500 Euro und einem Monatsgehalt von 1.840 Euro.
Ein ukrainischer Soldat beschreibt die ausländischen Kämpfer so: "Sie hatten keine Ausrüstung, keine Schutzwesten, keine Helme, nichts. Nur Gewehre und einfache, zivile Kleidung. Sie hatten überhaupt null Ahnung."
Einer der indischen Rückkehrer leidet bis heute unter den Erlebnissen: "Wenn ich alleine bin, kommen mir die alten Gedanken wieder in den Kopf. Nachts wache ich auf und weiß nicht, wo ich bin. Ich träume von Drohnenangriffen und dass eine Bombe fällt." Über seine Zeit an der Front dürfe er wegen einer unterschriebenen Schweigeerklärung nicht sprechen.
Reporter Arndt Ginzel zieht folgendes Fazit: "Es zeigt sich ein deutliches Muster. Dubiose Visa und Job-Vermittler spielen offenbar eine zentrale Rolle." Außerdem komme die Suche nach Kämpfern inzwischen nicht nur Indien betreffend, sondern auch aus Nepal, Sri Lanka, Kuba und afrikanischen Staaten. Auf ZDF-Anfrage erklärte die russische Regierung lediglich: "Zu den Rekrutierungen liegen keine Informationen vor."