"System muss geändert werden"

Mariupol-Held Mychajlo Drapatyj wird neuer Armeechef

Nach heftigen Protesten hat Selenskyj seinen Armeechef Syrskyj gefeuert. Der Held von Mariupol übernimmt die Kriegsführung gegen Russland.
Newsdesk Heute
22.07.2026, 09:15
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Die ukrainische Armee bekommt mitten im Abwehrkampf gegen Russland eine neue Führung. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den bisherigen Oberkommandierenden Olexander Syrskyj abberufen und Generalmajor Mychajlo Drapatyj zu dessen Nachfolger ernannt.

Der 43-Jährige gilt als moderner und bei vielen Ukrainern beliebter Militärführer. In einer Videobotschaft kündigte Selenskyj zudem eine Neuordnung des Generalstabs an. Verteidigungsministerium, Armeeführung und Präsidialamt sollen künftig enger zusammenarbeiten.

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Drapatyj erklärte nach seiner Ernennung, er wolle verantwortungsbewusst und mit Respekt gegenüber den Soldaten handeln, die das Land verteidigen. Der General drängt seit Längerem auf Reformen und eine Kriegsführung, bei der Technik stärker eingesetzt wird, um Menschenleben zu schonen.

Der Wechsel an der Armeespitze folgt auf tagelange Proteste in mehreren ukrainischen Städten. Auslöser war die Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow. Dieser hatte vor allem den Ausbau moderner Drohnentechnik vorangetrieben und galt als Gegenpol zum militärischen Führungsstil Syrskyjs.

Selenskyj kündigte an, Fedorow solle eine neue Aufgabe erhalten und sich weiter um die technische Entwicklung des Landes kümmern. Zum vorläufigen Verteidigungsminister wurde der Geheimdienstler Jewhenij Chmara ernannt.

Seit 2014 bekannt

Berühmt wurde Drapatyj bereits 2014. Damals ließ er als Major mit einem gepanzerten Fahrzeug eine Straßensperre prorussischer Kräfte in Mariupol durchbrechen. Die Hafenstadt konnte zu diesem Zeitpunkt von der Ukraine gehalten werden.

2024 war Drapatyj außerdem daran beteiligt, den russischen Vorstoß in der Region Charkiw einzudämmen. Später übernahm er die Führung der ukrainischen Bodentruppen. 2025 trat er von diesem Posten zurück, nachdem bei einem russischen Raketenangriff auf eine Ausbildungseinheit zwölf Soldaten getötet worden waren. Drapatyj übernahm öffentlich die Verantwortung für mangelnden Schutz.

"Das System muss geändert werden"

Selenskyj würdigte unterdessen die Verdienste Syrskyjs bei der Verteidigung von Kiew und Charkiw sowie beim ukrainischen Vorstoß in das russische Gebiet Kursk. Drapatyj ist nach Walerij Saluschnyj und Syrskyj der dritte Oberkommandierende seit Beginn der russischen Invasion.

Drapatyj gilt dabei als Vertreter einer moderneren Denkschule als der noch zu Sowjetzeiten ausgebildete Syrskyj. Der 43-Jährige appellierte nach dem erzwungenen Abgang Fedorows an die Armeeführung, dessen Kurs einer Technisierung des Krieges fortzusetzen.

"Die Armee braucht Veränderungen, doch ohne Gerechtigkeit werden diese Veränderungen für die Menschen, die diesen Krieg Tag für Tag aushalten, keinen Sinn ergeben", hielt er in einem Grundsatz-Papier vor wenigen Tagen fest. Seine Sicht ist klar: "Wenn eine richtige Entscheidung gegen das System und nicht dank ihm umgesetzt werden muss, bedeutet das, dass das System selbst geändert werden muss."

Und weiter: "Ein Kommandant hat nicht das Recht, Probleme zu verschweigen, insbesondere wenn deren Preis in verpassten Chancen, Zeit und Menschenleben gemessen wird. Schweigen schützt die Armee nicht, es lässt lediglich zu, dass sich Fehler anhäufen, bis es viel schwieriger wird, sie zu korrigieren."

"Die Umgestaltung der Streitkräfte darf nicht mit dem Wechsel des Ministers, der Führung oder des Leiters eines bestimmten Bereichs enden. Sie muss so lange andauern, bis faire und verständliche Regeln für jeden, der dem Staat dient, zur Norm werden. Wir kämpfen für ein Land, in dem Gerechtigkeit nicht vom Nachnamen, vom Amt oder von der Nähe zur Führung abhängt. Die Armee, die dieses Land heute verteidigt, muss der erste Ort sein, an dem dieser Grundsatz wirklich funktioniert", so Drapatyj.

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