Analyse zum Ukraine-Krieg

"Europäer müssen betteln": Reisner rechnet knallhart ab

Trotz Hunderttausenden Toten führt Putin seine Invasion fort. Er könnte nun mit Trump einen Deal aushandeln, um die Ukraine zu brechen.
Roman Palman
02.12.2025, 17:02
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Seit drei Jahren, neun Monaten und neun Tagen führt Russland bereits seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit unzähligen Toten. Alleine auf der russischen Seite haben mindestens 149.241 Männer für Wladimir Putins Eroberungsfantasien mit ihrem Leben bezahlt. Das zeigt die unabhängige Zählung russischer Gefallener durch "Mediazona".

Der Kreml-Kriegstreiber denkt auch nicht ans Aufhören. "Moskau will den Druck weiter erhöhen", schildert Oberst Markus Reisner am Montag auf n-tv. Für das kommende Jahr sollen umgerechnet 143 Milliarden Euro aus der Staatskasse in die Fortführung der Invasion gepumpt werden. Das ist ein Drittel der Gesamtausgaben des Landes und das höchste Militärbudget Russlands seit den Tagen der Sowjetunion, weiß der Militäranalyst. "Russland ist also bereit, diesen Krieg weiterzuführen, wenn es nicht zu einer Einigung kommt."

Trump-Putin-Pakt

Eine solche strebt US-Präsident Donald Trump zwar an, allerdings auf Kosten der Ukraine. "Es scheint so, als ob die Vereinigten Staaten bereit sind, die Kontrolle Russlands über die Krim und andere besetzte ukrainische Gebiete anzuerkennen, um ein Abkommen zu erreichen", analysiert Reisner. Alles deutet darauf hin, dass es konkrete Absprachen zwischen den Russen und den Amerikanern gibt. Die Europäer und auch die Ukrainer werden dabei ignoriert.

Trump geht es laut dem österreichischen Offizier um den eigenen wirtschaftlichen Nutzen, um russisch-amerikanische Projekte für den Wiederaufbau und Zugriff auf Ressourcen.

Die Ukraine möchte derweil als ein souveräner Staat bestehen bleiben und selbst über einen möglichen NATO- oder EU-Beitritt entscheiden. Auch die Abgabe von Territorium, das die Russen noch gar nicht erobert haben, wäre nur sehr schwer zu schlucken. Vor allem im Donbass. Sie möchte die Truppenstärke und Ausrüstung ihrer Streitkräfte selbst bestimmen können. Und sie möchte Sicherheitsgarantien, vorrangig von den USA.

"Das alles steht höchstwahrscheinlich im Widerspruch zu dem, was die USA mit Russland vorhaben", erläutert Reisner. Und: "Das ist der Grund, warum die Ukraine darauf besteht, starke eigene Streitkräfte zu haben, die zumindest in einem gewissen Maße abschreckungsfähig sind."

Dazu bräuchte es keine Atomwaffen. Das Militär müsse aber so stark sein, um Moskau eines klarzumachen: "Wenn Russland erneut angreifen würde, müsste es sich wieder in diesen elenden, langsamen Kampf verstricken lassen, mit Hunderttausenden Toten."

Europa spielt keine Rolle

Warum nur die Sicherheitsgarantien der USA etwas zählen? Ohne die USA sei die NATO nur "eingeschränkt handlungsfähig", weiß der Bundesheer-Oberst.

Er geht mit den europäischen Staats- und Regierungschefs hart ins Gericht: "Im vierten Jahr des Krieges sind die Europäer noch immer nicht bereit, sich einzugestehen, dass man ernsthaft etwas tun müsste, um nicht nur als Wirtschaftsraum relevant zu sein, sondern auch als sicherheitspolitischer Akteur. In den Verhandlungen müssen die Europäer darum betteln, gehört zu werden."

Der von Europa vorgelegte Gegenentwurf zum Friedensplan sei völlig ignoriert worden. Die Konsequenzen daraus werden unseren Alten Kontinent vielleicht noch auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus verfolgen, mahnt Reisner: "Die schwache Position Europas gefährdet eine nachhaltige Lösung, die verhindert, dass wir in den nächsten Konflikt hineintreiben."

"Wendet sich immer mehr gegen Ukraine"

Für die Ukraine schaut es derweil düster aus. Die russischen Luftangriffe haben enorme Auswirkungen. Zudem macht der Mangel an Soldaten sich an der Front immer stärker bemerkbar. "Das heißt, die Ukraine verteidigt oft nicht mehr, sie verzögert nur noch den Vormarsch der Russen", sagt der Austro-Offizier.

Obendrauf noch die Korruptionsskandale bis in höchste Kreise um Präsident Wolodymyr Selenskyj. "Das alles führt zu einer Grundstimmung, die sich immer mehr gegen die Ukraine wendet."

{title && {title} } rcp, {title && {title} } Akt. 02.12.2025, 17:43, 02.12.2025, 17:02
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