Albertina-Direktor Ralph Gleis hat heuer gleich doppelt Grund zu feiern: Das Museum begeht sein 250. Jubiläum mit einem üppigen Programm. Und er selbst kann nach seinem ersten Jahr im Amt eine durchwegs positive Bilanz ziehen: "Ich bin rundherum zufrieden und sehr glücklich, was wir mit dem Team zusammen erreicht haben. Es war ja auch wirklich eine Anstrengung, ein ganz neues Programm zu installieren", sagt er im "Heute"-Gespräch.
"Die Erwartung an uns war schon hoch, was das in der Besuchergunst bedeuten würde. Und wir sehen, wir sind komplett konstant geblieben. Ein wunderbares Ergebnis, da ist man natürlich stolz und froh."
Zum großen Geburtstag stellt die Albertina drei Hauptausstellungen in den Mittelpunkt. 600 Jahre Kunstgeschichte und eine Sammlung mit mehr als einer Million Objekten werden in "Faszination Papier – Rembrandt bis Kiefer" (seit 11. Dezember 2025) gefeiert. Die zweite Mega-Schau "Sammeln für die Zukunft" (von 19. Juni bis 11. Oktober) ergründet die Anfänge des Museums und die Motive der Sammler Albert von Sachsen-Teschen und seiner Frau Marie Christine, der Lieblingstochter von Maria Theresia. Albrecht Dürers "Feldhase" kann in dieser Schau bewundert werden.
Mit "Künstlerinnen der Albertina" (von 30. Oktober bis 17. Jänner 2027) rückt die weibliche Perspektive in den Vordergrund, die dem Direktor am Herzen liegt. "Es war mir besonders wichtig, dass wir auch die Künstlerinnen zu ihrem Recht kommen lassen. Ich hoffe, dass das in den nächsten Jahren noch mehr Früchte trägt. Jetzt zeigen wir einmal die große Ausstellung, aber fast jede der Künstlerinnen hat das Potenzial zu einer Einzelausstellung", so Gleis weiter.
An den drei Standorten der Albertina erwartet die Besucher heuer noch mehr: Nach mehreren Jahrzehnten ist der französische Meister der Karikatur, Honoré Daumier, ab 6. Februar zu sehen. Die größte Herbstausstellung im Haupthaus ist "Picasso – Bacon" (18. September bis 31. Jänner 2027). "Es sind Giganten der Malerei, die das Existenzielle in ihrer jeweiligen Formsprache ausgelotet haben", sagt Gleis. Fotograf Richard Prince, der Erfinder des Marlboro Man, wird ab 17. April ebendort eine große Retrospektive gewidmet.
In der Albertina Modern wird mit "KAWS. Art & Comix" (von 3. April bis 27. September) ein absolutes Highlight erwartet. Die Ausstellung des amerikanischen Künstlers beschäftigt sich auch am Beispiel der Werke von Roy Liechtenstein oder Jean-Michel Basquiat mit der gegenseitigen Beeinflussung von so genannter High & Low Art.
"Wir fühlen uns auch der heimischen Szene verbunden. 40 Prozent unserer Besucher kommen aus Österreich, bzw. aus Wien", führt der Museumsdirektor aus. So wird es etwa eine Ausstellung von Helga Philipp (ab 1. Mai) geben, sowie von Franz West (ab 6. November) gezeigt.
Zum Albertina-Geburtstag am 4. Juli lädt das Museum an ganzen Wochenende bei freiem Eintritt zu Besuchen ein. Am Abend findet ein offizieller Festakt im Beisein von Bundespräsident Alexander Van der Bellen statt. Die Albertina Klosterneuburg veranstaltet am 27. August wiederum ein "Künstler*innen-Fest".
"Es ist mir auch besonders wichtig, dass ein Museum in Interaktion mit dem Publikum tritt und die Menschen, eine Freude haben, wenn sie da sind. Sie werden nicht von oben herab belehrt, sondern es ist ein Dialog auf Augenhöhe", schließt Gleis. "Wenn man Freude hat, heißt es ja nicht, dass es nicht auch lehrreich, intensiv und vielleicht herausfordernd sein kann. Wir freuen uns doch alle, wenn wir mal ein bisschen gefordert sind und nicht alles schon vorgekocht ist."