Sie waren ein Herz und eine Seele. Jahrzehntelang lebten Alfons Haider (68) und seine Mutter Anna zusammen, teilten Alltag, Sorgen und Erfolge. Doch heute sagt er: "Wir waren zu abhängig voneinander."
Eine ehrliche Erkenntnis, die nicht leicht fällt. "Man darf sich nicht in so einer Beziehung verlieren", so Haider im großen Interview mit "Heute". Genau das sei aber passiert, schleichend, über viele Jahre hinweg. Vor allem die letzten Lebensjahre seiner Mutter hätten das verstärkt.
"Sie hat nur noch für mich gelebt – und ich für sie." Ein Zustand, der nach außen wie tiefe Liebe wirkte, innerlich aber zur Belastung wurde. Schon Jahre vor ihrem Tod hatte ihn ein befreundeter Arzt gewarnt: "Du musst deine Mama gehen lassen." Haider wollte das lange nicht akzeptieren. "Man denkt immer, das ist richtig so. Dass man füreinander da ist. Aber irgendwann kippt es", sagt er rückblickend.
„Man muss aufpassen, dass der andere nicht nur mehr wegen dir lebt“Alfons Haiderüber die Gefahr sich in der Liebe zu verlieren
Auch Corona verschärfte die Situation zusätzlich. Gemeinsam in einer Wohnung, mit Abstand, Angst und Isolation. "Als ich Corona hatte, haben wir über Telefon miteinander gesprochen, obwohl wir in derselben Wohnung waren", erzählt er. Eine extreme Zeit, die die emotionale Abhängigkeit noch verstärkte.
Heute weiß er, Liebe darf nicht bedeuten, dass einer ohne den anderen nicht mehr existieren kann. "Man muss aufpassen, dass der andere nicht nur mehr wegen dir lebt." Diese Erkenntnis verarbeitet er auch in seinem Buch. Es soll nicht nur eine Hommage sein, sondern auch ein Denkanstoß für andere.
Denn Haider ist überzeugt: "Es gibt tausende solcher Beziehungen." Am Dienstag, dem 5. Mai, stellt er sein Buch „Meine Mama die Löwin“ vor und spricht darin offen wie nie über Liebe, Verlust und die schwierige Balance dazwischen.