Christa W. steht hinter der Theke, schneidet die Wurst auf, schiebt das Gebäck in das Backrohr und füllt die Vitrinen auf. Nach jahrelanger Suche ist sie zurück im "Traumjob", wie sie selbst sagt. Die Mutter von sechs Kindern – das jüngste vier Jahre alt – wollte wieder in die Feinkost, wo sie bereits vor der Karenz gearbeitet hatte. Doch die Arbeitszeiten waren eine Hürde. Die frühen Schichten waren kaum mit der Kinderbetreuung vereinbar. Viele Supermärkte sagten der Alleinerzieherin ab.
"Es war schwer, überhaupt etwas Passendes zu finden. Zweieinhalb Jahre habe ich gesucht", erzählt die 38-Jährige im Gespräch mit "Heute". Dann kam die Wende: Das AMS vermittelte sie zum Caritas-Projekt INIGO, das Menschen unterstützt, die allein nur schwer in den Job zurückfinden. INIGO betreibt unter anderem zwei Spar-Filialen im 10. Bezirk, bietet dort Arbeitstraining und befristete Jobs.
"Menschen auf den Weg in den Handel zu begleiten, ist unsere Mission", erklärt Daniela Müller, Betreuerin bei INIGO. Häufige Stolpersteine seien Arbeitszeiten oder Sprachbarrieren, die durch interne Trainings gezielt aufgefangen werden.
Dank ihrer Erfahrung in der Feinkost überzeugte Christa – und wurde nach der Projektzeit fix übernommen. Seit rund einem Jahr arbeitet sie nun in einer Spar-Filiale im 3. Bezirk, 35 Stunden pro Woche, meist ab halb 7 oder 7 Uhr morgens. Ihre Aufgaben reichen vom Backshop über die Wursttheke bis hin zu Lieferung, Frischekontrollen und Reinigung. "Feinkost war immer meine Stärke und ist es noch heute", sagt sie lachend.
Die Freude über die zweite Chance ist groß: "Der Job macht mir Freude, und im Team fühlen wir uns wie eine kleine Familie. Wir haben wirklich viel Spaß miteinander", erzählt sie. In der Feinkost beginnt der Tag oft mitten in der Nacht. Vorbereitung ab fünf Uhr früh – für eine Mutter mit kleinen Kindern schlicht unmöglich. Christa ist dankbar, dass ihr Arbeitgeber ihr bei den Arbeitszeiten entgegengekommen ist. "Ich bin genau da, wo ich hinwollte", sagt sie.
Das Projekt INIGO wurde von der Caritas ins Leben gerufen und bietet mit Unterstützung des AMS Wien 45 Arbeitsplätze im Handel inklusive Coaching zu Bewerbung, Finanzen oder persönlichen Themen. Nach Einschulung an den Standorten oder gemeinnütziger Arbeitskräfteüberlassung an Spar-Filialen werden die Mitarbeiter in unbefristete Beschäftigung vermittelt – hauptsächlich zu Spar.
INIGO ist Mitglied von "arbeit plus Wien". Seit 25 Jahren unterstützen der Dachverband für Soziale Unternehmen und seine Mitglieder mit mehr als 60 Projekten Menschen in Wien beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Österreichweit erhalten im arbeit-plus-Netzwerk jährlich rund 25.000 Menschen befristete Arbeitsplätze; weitere 200.000 werden in Sozialen Unternehmen beraten und begleitet.