"Noch habe ich keinen neuen Job in Aussicht", so beginnt unser Gespräch mit Lukas P. Der 50-Jährige ist Vollprofi im Marketing, jahrzehntelang arbeitete er in Agenturen und Unternehmenszentralen – unter anderem in der Werbemetropole Hamburg oder in Münster. Im Sommer kam der große Bruch, er wurde gekündigt.
"Ich habe seitdem insgesamt etwa 30 Bewerbungen abgeschickt, nur zu einem einzigen Vorstellungsgespräch wurde ich eingeladen", sagt Lukas P. zu "Heute". Auch dieses eine Gespräch führte zu nichts: "Anfangs wollten sie mich, ich war sogar bereit, mit meinen Gehaltsvorstellungen runterzugehen, doch dann haben sie sich doch anders entschieden." Den Vorzug bekam eine junge Frau, die bereits in dem Unternehmen tätig war, "ich sehe es so, das Unternehmen hätte von meiner fast 30-jährigen Erfahrung lernen können."
Vor sechs Jahren verschlug es Lukas P. nach Österreich, er wohnt jetzt in Schwarzach im Pongau (Salzburg). "Mein Alter ist mein größtes Problem", sagt er, "auch mein AMS-Berater, den ich wirklich schätze, hat gesagt, 50 ist das goldene Alter, da wird es schwer, einen Job zu finden."
Das zweite Manko des Familienvaters: "Mein Lebenslauf ist zu lang aufgrund meiner wechselnden Jobs, was in Agenturen gang und gäbe ist." P. meint damit: Er hat sehr viel Erfahrung und das wäre auch einen angemessenen Lohn wert – den will man eben nicht zahlen.
Die anderen Bewerbungen wurden zwar auch beantwortet, doch alle beinhalteten den gleichen Inhalt: "Wir haben uns für eine Person entschieden, die besser passt." Lukas P. ist äußerst flexibel, würde vieles in Kauf nehmen, für eine Arbeit: "Ich würde sogar nach Linz pendeln, mir dort vielleicht eine kleine Wohnung nehmen."
Lukas P., der seine Jobs immer geliebt hat, der bereit war, bis zu 18 Stunden pro Tag zu arbeiten, hat vor Kurzem mit seiner Ex-Chefin telefoniert. "Sie sagte mir auch: Der Markt ist so jung und günstig – Erfahrung zählt nicht mehr!"
Das Schlimmste – bis auf die Jobsuche – ist das Nichtstun, "ich habe meine Arbeit immer geliebt." Jetzt versucht er die Leere im Kalender mit Aktivitäten zu füllen: "Ich gleiche das mit Sport aus, betreibe es exzessiv. Ich jogge jetzt auf die Berge, mache viel Fitnesstraining. Jeden Tag suche ich mir eine Beschäftigung, stehe um 7 Uhr auf."
Was sonst noch fehlt, ist das Geld, "ich komme über die Runden, aber nicht so wie früher – es gibt keine spontanen Trips oder Einkäufe mehr. " Auch die Alimente für seine zwei Kinder mussten angepasst werden.
Sein nächster Schritt: "Ich gehe wohl komplett weg vom Marketing, an der jetzigen Situation wird sich sonst nichts ändern – ich wage hoffentlich bald den Schritt in die Selbstständigkeit." Eine erste Annäherung mit einem Unternehmen aus Deutschland gibt es bereits…