Brennpunkt Gänserndorf

"Arbeitslos, älter" – AMS hat Jobs für Wiedereinstieg

Gänserndorf hat die meisten Langzeitarbeitslosen in NÖ. Genau dort hat jetzt das AMS der Arbeitslosigkeit den Kampf angesagt.
Aram Ghadimi
26.10.2025, 05:00
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Harald Hanke hat einst auf Baustellen gearbeitet. Als Schalungszimmerer und Fassader, hat der 60-Jährige unzählige Male schwer getragen, Holzschalungen aufgebaut und dabei geholfen Bauwerke zu errichten. Daran ist heute nicht mehr zu denken, denn Hanke kann seinen Beruf schon lange nicht mehr ausüben – die Gesundheit macht nicht mehr mit.

Der 60-Jährige ist einer von unzähligen älteren Menschen, die in Österreich keinen Job mehr finden. Eine Problematik, die insbesondere auch Niederösterreich betrifft. Im flächenmäßig größten Bundesland gibt es schockierende Zuwächse bei der Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit.

Dabei liegt der absolute Brennpunkt der Langzeitarbeitslosigkeit direkt vor den Toren Wiens, im Speckgürtel der Bundeshauptstadt, wo sich Landwirtschaft, Gewerbeparks und Einfamilienhäuser abwechseln. Mit 17 Prozent weist der Bezirk Gänserndorf den größten Anteil an Langzeitarbeitslosen in Niederösterreich auf.

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Viele Gründe für Arbeitslosigkeit

Frust, Stagnation und umfassende Perspektivlosigkeit – wer einmal länger arbeitslos war, weiß, dass der Wiedereinstieg eine fast bewältigbare Hürde darstellt. In Zeiten anhaltend schwacher Konjunktur, herrscht große Konkurrenz um Jobs. Besonders ältere Menschen, wie Harald Hanke, bekommen das zu spüren. Jahrelang wusste er nicht, wo er Arbeit finden sollte.

Gesundheitliche Probleme, Diskriminierungserfahrungen bei Menschen mit Migrationshintergrund oder bei Menschen in höherem Alter, sind häufig. Gänserndorf, heißt es seitens des AMS, liege hier über dem Durchschnitt. Aus diesem Grund, hat das AMS beschlossen, hier seinen Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit zu forcieren.

55 Sprungbrett-Jobs

Ein neues Projekt, das am Dienstag vorgestellt wurde, bietet 55 Arbeitsplätze in den Bereichen Kreislaufwirtschaft und Bio-Landwirtschaft. Dafür wurden 3,5 Millionen Euro in die Hand genommen: "Wir bündeln unsere Ressourcen dort, wo wir sie am dringenden brauchen – unter anderem im Bezirk Gänserndorf", sagt AMS NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern.

Über eine sogenannte Transitbeschäftigung endet für Langzeitarbeitslose ihre lange Zeit der Jobsuche und sie steigen "sinnstiftendes Arbeitsumfeld" in der Kreislauf- oder Landwirtschaft ein, heißt es vom AMS NÖ. Partner hierfür ist der sozioökonomische Betrieb WUK bio.pflanzen/re.cycle, der seinerseits mit dem Umweltverband NÖ zusammenarbeitet.

Sinnstiftende Arbeit

Petimat Alimhanova lebte, bevor sie nach Österreich kam, in Russland, wo sie als Verkäuferin arbeitete. In Österreich schlug sie sich als Reinigungskraft durch, konnte aber darüber hinaus am Arbeitsmarkt nie richtig Fuß fassen. Seit Juli arbeitet die 40-jährige sechsfache Mutter bei WUK bio.pflanzen, in einem befristeten Dienstvertrag. Die Pflanzenproduktion, gärtnerische Arbeiten im Folientunnel, Freiland oder beim Vorbereiten von Online-Bestellungen, machen ihr Freude.

Harald Hanke ist ihr Kollege, der sein handwerkliches Geschick auch schon bei der Pflege und Wartung der Gartengeräte gezeigt hat. Der 60-Jährige gärtnert seit April bei WUK bio.pflanzen und möchte vor allem eines: wieder einen Job am ersten Arbeitsmarkt – am besten als Lagerlogistiker oder Stapelfahrer.

Re- und Upcycling auf altem Bauhof

Das AMS hat zuletzt sein Projekt mit dem WUK weiter ausgebaut. Im Pflanzenbau wurden die Transitarbeitsplätze 2024 von 19 auf 29 erhöht. Und 2025, im Mai, wurde auch ein alter Bauhof miteinbezogen. Dort hat man mit Renovierungsarbeiten gestartet – heute dient er als Standort für Kreislaufwirtschaft mit einem Verkaufsshop und einem Imbissstand. Hier werden Altwaren gesammelt, zerlegt, repariert, aufgewertet und wieder zum Verkauf angeboten. Darunter Fahrräder, Hausrat, Kleinmöbel und Sportgeräte.

Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zeigt auch Wirkung: Von Jahresanfang bis September schafften das 1.936 Langzeitarbeitslose in NÖ wieder einen Job zu finden. Das ist ein Fünftel mehr als noch 2024.

Und in den letzten fünf Jahren gelang es dem AMS Gänserndorf, die Langzeitarbeitslosigkeit um rund ein Drittel (von 966 auf 656 Personen) zu senken. In ganz Österreich waren im September rund 370.000 Personen (Schulungsteilnehmer inklusive) arbeitslos gemeldet – fast 45.000 davon alleine beim AMS in Niederösterreich.

{title && {title} } agh, {title && {title} } Akt. 26.10.2025, 13:33, 26.10.2025, 05:00
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