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Almer vor Irland: "Müssen wieder an Grenzen gehen"

Heute Redaktion
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Torhüter Robert Almer ist gegen Irland aufgrund einer Knieverletzung zum Zusehen verdammt.
Torhüter Robert Almer ist gegen Irland aufgrund einer Knieverletzung zum Zusehen verdammt.
Bild: Kein Anbieter

Der verletzte Team-Goalie Robert Almer über die prekäre Ausgangslage gegen die Iren, seinen Vertreter in Dublin und warum ihn die EURO noch heute ärgert.

Heute: Robert, du bist verletzt, Ramazan Özcan ist nach der EURO zurück getreten. Auch Andreas Lukse fällt aus - wer steht am 11. Juni gegen Irland im Tor?

Robert Almer: „Das wird Teamchef Marcel Koller entscheiden. Ich lasse mich überraschen. Aber der Heinz (Lindner, Anm.) kennt das Stadion in Dublin ja bereits aus der EM-Quali – und damals hat er seine Sache auch sehr gut gemacht."

Ist die Partie gegen die Iren angesichts des enttäuschenden Starts in die WM-Qualifikation jetzt bereits ein richtiges „Alles-oder nichts-Spiel"?

„Das ist schwer zu sagen in unserer Gruppe, die sehr ausgeglichen ist. Jeder nimmt sich die Punkte weg. Aber verlieren darf man jetzt auf keinen Fall. Ansonsten wird es auf alle Fälle sehr schwierig."

Seit der erfolgreichen Qualifikation für die EURO 2016 ist die Erwartungshaltung enorm gestiegen. Ist das eine große Bürde für euch?

„Für keine Nation ist so eine Qualifikation ein Selbstläufer. Du musst in jeder Quali an deine Grenzen gehen. Die 28 Punkte auf dem Weg nach Frankreich haben aber über vieles hinweg getäuscht. Es waren viele sehr knappe Spiele mit dabei: Montenegro daheim, Moldawien auswärts, beide Russland-Spiele – alle diese Partien waren sehr knapp, aber wir haben sie gewonnen. Das war keine ‚gmahte Wiesn' oder so übersouverän, wie es oft dargestellt wurde."

Du warst bei der EURO mit deinen starken Leistungen einer der wenigen Lichtblicke. Wie oft denkst du noch heute an den Elfmeter von Cristiano Ronaldo?

„Eigentlich überhaupt nicht. Momente, die für mich bewegend waren, waren zum Beispiel das Portugal-Spiel, als die Fans nach dem Spielende meinen Namen gerufen haben. Im Wissen, was man vorher das halbe Jahr alles investiert hat wegen der Verletzung, um genau so einen Moment erleben zu dürfen. Wobei es mich noch immer ärgert, dass wir nicht weitergekommen sind. Vom Potenzial her und von dem, was wir in der Quali gezeigt haben, haben wir sehr wenig abgerufen."

Aber warum hat es bei der EURO nicht funktioniert?

„Schwer zu sagen. Da gab es sicher viele Faktoren. Wir hatten verletzte Spieler im Vorfeld, die nicht zu hundert Prozent fit waren. Wir hatten in gewissen Spielen mit der Form zu kämpfen. Und es war für alle Spieler eine neue Situation, so ein großes Turnier zu spielen. Der Druck war groß, auch wegen der guten Quali. Das Weiterkommen war eigentlich schon Pflicht. Von daher glaube ich, dass wir auch mit der Situation nicht so hundert Prozent umgehen konnten."

Während des Turniers gab es wilde Gerüchte – teils war von einer schlechten Stimmung in der Mannschaft zu lesen…

„Das war aber überhaupt nicht der Fall. Da hat es nie Probleme gegeben, weder davor, währenddessen oder danach. Das war immer sehr konstruktiv. Wir sind am Abend zusammen gesessen und haben offen über alles geredet. Wir haben es dann einfach nicht auf den Platz gebracht."

Nach der EURO gab es jede Menge Rücktritte – Christian Fuchs, Ramazan Özcan und zuletzt Markus Suttner. Mag keiner mehr in der Nationalmannschaft spielen?

„Man muss sich die Gründe ansehen. Bei Christian war es klar wegen der Familie. Seine Frau lebt mit den Kindern in Amerika, er in England. Wenn Länderspiele sind, haben die Vereine meistens ein paar Tage frei. Diese Zeit wollte er für seine Familie nützen. Bei ‚Rambo' war es ähnlich, er kriegt im Juni sein zweites Kind. Und beim ‚Sutti' ist es so: Er war sechs Jahre dabei und hat nur ein Pflichtspiel gemacht. Das ist für einen ehrgeizigen Profi nicht einfach, immer im zweiten Glied zu stehen."

(AK)