Mit nur zehn Monaten bekam Michael die Schockdiagnose Leukämie. Nun traf der siebenjährige Wiener am Freitag erstmals den Stammzellspender, der ihm das Leben rettete.
Michael war gerade zehn Monate alt, als Ärzte bei ihm eine besonders aggressive Form von Leukämie diagnostizierten. Aufgrund seiner Genkonstellation galt er als Hochrisikopatient – eine Stammzelltransplantation war seine einzige realistische Chance auf Heilung. Für seine Eltern Sandra und Stefan begann eine Zeit, die sie nie vergessen werden. "Man kann nichts ändern, man muss funktionieren und den Glauben haben, dass man es schafft", erinnert sich Mama Sandra.
"Man wartet und wartet und wartet – und irgendwann kommt die Meldung, dass die Spende im Haus ist. Das war für uns schon ein kleines Geschenk", erinnert sich Papa Stefan.
Der Spender war Lukas aus Deutschland. Damals war er 20 Jahre alt und studierte in Hannover Medienmanagement. Registriert hatte er sich eher spontan – in der Mittagspause bei einer Typisierungsaktion an seiner Hochschule. "Im September 2019 habe ich dann einen Anruf bekommen, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass ich als Spender in Frage komme", erzählt der heute 27-Jährige. Nach weiteren Untersuchungen stand fest: Es war ein perfektes Match. Ende November 2019 spendete Lukas in Köln Knochenmark – unter Vollnarkose.
"Die Spende war dann auch trotz Operation und Vollnarkose überhaupt nicht schlimm, vor allem im Vergleich zum positiven Effekt. Alles in allem ein Erlebnis, das für immer bei mir bleiben wird", sagt Lukas.
Nach der Transplantation durften Michael und seine Familie den Namen seines Spenders zunächst nicht erfahren. Zwischen Spender und Empfänger gilt eine fünfjährige Schutzfrist. Nur Briefe sind erlaubt. Einer davon blieb beiden Seiten besonders in Erinnerung.
"Wir haben dem Spender geschrieben, wie es uns geht, dass wir sehr dankbar sind, dass er gespendet hat, und dass wir ein großes Energiebündel haben. Und ob auch er ein aufgeweckter junger Mann ist. Als er uns zurückgeschrieben hat, war es sehr emotional", erzählt Papa Stefan.
Das Schicksal des kleinen Michael bewegte damals Tausende Menschen. Nach einem öffentlichen Aufruf seines Vaters registrierten sich innerhalb weniger Wochen rund 12.500 Personen beim Österreichischen Roten Kreuz als potenzielle Stammzellspender. Aus diesen Registrierungen gingen bereits 25 tatsächliche Spenden hervor.
Die Chance, einen passenden Stammzellspender zu finden, liegt aber nur bei 1 zu 500.000. Weltweit sind zwar knapp 44 Millionen Menschen registriert, dennoch findet noch immer jeder zehnte Blutkrebspatient keinen geeigneten Spender.
Obwohl weltweit knapp 44 Millionen Personen registriert sind, wird für jeden zehnten Betroffenen aktuell keine passende Spende gefunden. Der Schlüssel zur Chance auf Heilung liegt also in einer möglichst umfangreichen Spender-Datenbank.
Das Österreichische Rote Kreuz führt seit 2018 eine Spenderdatei, in der man sich im Alter zwischen 16 und 35 Jahren und bei guter Gesundheit registrieren lassen kann, am einfachsten unter www.stammzelle.at oder bei einer Registrierungsaktion.