Der neue Kindle Scribe Colorsoft verbindet E-Reader und digitales Notizbuch in einem. Laut Amazon wurde das Gerät zum produktiven Arbeiten entwickelt. Mit einem größeren Display entspricht der Kindle den Proportionen eines Blattes Papier, wodurch sich das Schreiben und Zeichnen auf dem E-Reader wie auf Papier anfühlen soll. "Heute" hat den neuen Vorzeige-Kindle getestet.
Mit einem satten Preis von 649,99 Euro ist der Kindle Colorsoft mit 32 GB Speicherplatz deutlich teurer als der Kindle Scribe mit 519,99 Euro. Erhältlich ist das Gerät in den Farben Graphite und Feige, für einen Aufschlag von 50 Euro gibt es den E-Reader auch mit 64 GB Speicherplatz.
Der neue Kindle Scribe ist mit 5,4 Millimetern Dicke und 400 Gramm Gewicht dünner und leichter als sein Vorgänger. Außerdem soll er beim Schreiben und Umblättern um 40 Prozent schneller sein. Das 11-Zoll-Display ist blendfrei und die Auflösung in Schwarzweiß liegt bei 300 Pixel pro Zoll, in Farbe bei 150. Das Gerät verfügt zudem über ein Frontlicht, verstellbare Farbtemperatur und einen Frontlichtsensor mit automatischer Anpassung. Die Akkulaufzeit beim Lesen soll bis zu 8 Wochen halten, beim Schreiben bis zu 2 Wochen.
Das Kindle-Gerät kommt mit einem USB-C-Ladekabel, einem Eingabestift sowie Ersatzspitzen für den Stift. Der Eingabestift haftet magnetisch am E-Reader und muss nicht aufgeladen werden.
Für den Colorsoft wurde eine spezielle Displaytechnologie entwickelt, die über einen Farbfilter und einen Lichtleiter mit Nitrid-LEDs verfügt. Diese sollen die Farben verstärken, ohne die Details zu verwischen. Zudem soll eine neue Rendering-Engine dafür sorgen, dass das Schreiben in Farbe schnell, flüssig und natürlich ist.
Wer bereits einen Kindle-Account besitzt, kann ganz einfach und schnell über die Kindle-App den E-Reader einrichten. Eine Synchronisation der E-Bücher in der Bibliothek erfolgt dann automatisch.
Der neue Kindle Scribe Colorsoft wird als ein digitales Notizbuch ohne Seitenlimit beworben. Nutzer können aus 30 Vorlagen wählen – vom klassischen Collegeblock über Kalendervorlagen bis hin zu Notenpapier. Mit einer Auswahl an verschiedenen Stiftarten, darunter Füllfeder, Bleistift oder Textmarker, kann man darauf schreiben oder zeichnen. Amazon bietet dafür neben Schwarz insgesamt neun Farben an.
Mit augenschonenden Farben und hohem Kontrast auf dem Oxid-Display soll sich das Schreiben natürlich anfühlen. Obwohl das Schreiben auf dem E-Reader angenehmer ist als auf einem iPad, ist es kein "schreiben wie auf Papier", wie es auf der Amazon-Website heißt.
Einen großen Nutzen sollen die KI-Funktionen liefern. Handschriftliche Notizen lassen sich etwa automatisch zusammenfassen und sogar in eine saubere digitale Schreibschrift verwandeln. Wirklich gut funktioniert das allerdings nur, wenn die Handschrift zumindest halbwegs lesbar ist.
Auch Word-Dokumente und PDFs lassen sich direkt kommentieren. In Word-Dateien arbeitet man dabei direkt im Dokument: Text markieren, kleine Notizfelder einfügen oder Anmerkungen ergänzen funktioniert problemlos. Bei PDFs hingegen schreibt man quasi auf das Dokument drauf, ähnlich wie mit einem Stift auf Papier. Der Seitenaufbau bleibt dabei unverändert.
Die Schreibfunktion in E-Büchern lässt hingegen zu wünschen übrig. Während Unterstreichungen und Markierungen einwandfrei und mit verschiedenen Farben möglich sind, gibt es kein "freies" Schreiben wie in der Notizbuch-Funktion oder den PDFs. Anmerkungen und Zeichnungen in E-Büchern werden in Textfelder umgewandelt. Je nach Platzierung verschieben sich die Zeilen im Lesetext. Umrahmungen von Wörtern und Sätzen sind ebenfalls nicht möglich.
Geht es um das Lesen auf dem E-Reader, bietet sich der Colorsoft vor allem für Comics, Manga und illustrierte Bücher an. Für Bücher mit reinem Text wirkt der Bildschirm jedoch zu groß und auch das Gerät liegt nicht bequem in den Händen wie bei kleineren E-Readern, etwa dem Kindle Basic oder Paperwhite.
Der neue E-Reader verfügt zudem über einen Webbrowser, der allerdings mit der Darstellung vieler Websites überfordert ist: Elemente werden verschoben oder fehlerhaft angezeigt.
Der Kindle Scribe Colorsoft überzeugt vor allem als digitales Notizbuch mit großem Farbdisplay, angenehmem Schreibgefühl und praktischen KI-Funktionen. Auch das Kommentieren von Word-Dateien und PDFs funktioniert im Alltag gut. Schwächen zeigt das Gerät allerdings beim Schreiben in E-Büchern und beim kaum brauchbaren Webbrowser, zudem ist der große E-Reader für reines Lesen teilweise unhandlich. Der Kindle richtet sich daher vor allem an Nutzer, die Lesen, Schreiben und Notizen gerne auf einem einzigen Gerät gesammelt haben wollen. Für klassische Leser sind günstigere Kindle-Modelle die bessere Wahl.