Johannes Kopf fordert Umdenken

AMS-Chef will Flüchtlinge rasch zu Fachkräften machen

Österreich braucht Arbeitskräfte. AMS-Chef Johannes Kopf sieht dabei großes Potenzial bei Flüchtlingen und will vor allem Junge stärker ausbilden.
Österreich Heute
11.08.2026, 16:01
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Österreichs Wirtschaft steht in den kommenden Jahren vor einem Problem: Arbeitskräfte werden knapp. Bis 2050 könnten laut AMS-Chef Johannes Kopf österreichweit 120.000 Erwerbspersonen fehlen. Dabei gibt es seiner Ansicht nach eine Gruppe, deren Potenzial bisher nicht ausreichend genutzt wird: Flüchtlinge, die bereits im Land sind.

40.000 Flüchtlinge sind derzeit beim AMS registriert. Mehr als ein Viertel davon ist jünger als 25 Jahre.

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"Mindestens die Hälfte" könnte Lehre schaffen

Kopf fordert deshalb in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN) ein Umdenken. Statt ausschließlich darauf zu setzen, qualifizierte Fachkräfte über die Rot-Weiß-Rot-Karte nach Österreich zu holen, müsse man auch jene Menschen ausbilden, die bereits hier sind.

"Wenn es uns gelänge, ausreichend viele und qualifizierte Arbeitskräfte, im Idealfall noch mit Deutschkenntnissen, nach Österreich zu bringen, würde ich sagen: Wunderbar, machen wir es so. Aber da das nicht der Fall ist, muss ich andere Potenziale nutzen", sagt Kopf.

Besonders bei jungen Flüchtlingen sieht der AMS-Chef Chancen: "Trotzdem sollten wir die Jungen fördern, weil mindestens die Hälfte einen Lehrabschluss machen könnte."

„Wir teilen in gute und schlechte Ausländer“
Johannes KopfAMS-Chef

Auch beim Blick auf Zuwanderer generell wünscht sich der AMS-Chef ein Umdenken.

"Momentan teilen wir, Verzeihung, in gute Ausländer und in böse. Die einen sind die, die wir wollen und die wir nach Österreich holen, und die anderen sind die, die wir eigentlich nicht wollen und die müssen sich integrieren. Aber auf die Idee, dass es Arbeitskräfte sind, kommt niemand", sagt der AMS-Chef den SN.

Bei Erwachsenen will Kopf stärker danach unterscheiden, welche Fähigkeiten sie bereits mitbringen. Als Beispiel nennt er einen Flüchtling, der jahrelang als Mechaniker gearbeitet hat, aber keinen entsprechenden Abschluss besitzt.

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Kopf weiter: "Jemanden, der 15 Jahre in Syrien Autos repariert, aber keinen Zettel als Automechaniker hat, kann ich auch rasch zum Reifenumstecken vermitteln. Aber gescheiter wäre, wir bringen ihm Deutsch besser bei und führen ihn zum Lehrabschluss, dann ist er Automechaniker."

Arbeitslose und offene Jobs passen nicht zusammen

Dass Österreich gleichzeitig viele Arbeitslose und einen Bedarf an Fachkräften hat, erklärt Kopf in den SN mit einem sogenannten Mismatch. Ende Juli waren beim AMS 79.770 offene Stellen gemeldet. Insgesamt geht Kopf von rund 160.000 offenen Stellen aus.

Das Problem: Viele Arbeitssuchende bringen nicht jene Qualifikationen mit, die Betriebe benötigen. Jede zweite arbeitssuchende Person beim AMS hat laut Kopf nur die Pflichtschule abgeschlossen.

Auch regional gibt es große Unterschiede. Vereinfacht gesagt seien viele offene Stellen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Teilen der Steiermark zu finden, während besonders viele Arbeitssuchende in Wien leben.

Für Kopf führt deshalb ein Weg über Ausbildung: Wo Fachkräfte fehlen, müsse stärker qualifiziert werden - und dabei will er auch das Potenzial der bereits in Österreich lebenden Flüchtlinge nutzen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 11.08.2026, 16:01