Der Wirtschafts-Optimismus verfliegt. Die erhoffte Erholung der österreichischen Wirtschaft hat einen Dämpfer bekommen. Nach zwei Quartalen mit leichtem Wachstum stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal. Das geht aus der aktuellen Schnellschätzung des WIFO hervor.
In den beiden Quartalen davor war die Wirtschaftsleistung jeweils noch um 0,2 Prozent gewachsen. Gegenüber dem Vorjahresquartal beträgt das Plus nun 0,8 Prozent.
Als ausschlaggebenden Grund nennt das WIFO den infolge des Iran-Krieges deutlich gestiegenen Erdölpreis. Höhere Kosten für Energie und Vorleistungen sowie die damit verbundene Verunsicherung belasten demnach die heimische Wirtschaft.
Für die Bevölkerung könnte vor allem die weitere Entwicklung der Preise entscheidend werden. Denn der höhere Rohölpreis schlägt sich auch in den Erwartungen der Unternehmen nieder.
"Seit dem jüngsten Anstieg des Rohölpreises sind die Verkaufspreiserwartungen der Sachgütererzeugung wieder deutlich erhöht. Dies trübt die Aussicht auf eine Abschwächung des allgemeinen Preisauftriebs", so WIFO-Experte Christian Glocker.
Die Inflation ist zuletzt zwar zurückgegangen. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria lagen die Verbraucherpreise im Juli 2026 um 2,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Juni waren es noch 3,2 Prozent gewesen.

Doch rund die Hälfte dieses Rückgangs geht laut WIFO auf die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel mit 1. Juli zurück. Die Kerninflation blieb mit 3,1 Prozent hoch. Gleichzeitig zogen die Energiepreise etwas stärker an als im Vormonat.
Auch beim Konsum zeigt sich die schwache Wirtschaftslage. Sowohl die privaten als auch die öffentlichen Konsumausgaben stagnierten. Die öffentlichen Ausgaben waren im ersten Quartal noch kräftig gewachsen.
Damit fiel auch der öffentliche Sektor, der die Konjunktur in den vergangenen zwei Jahren mehrfach gestützt hatte, vorerst als Impulsgeber aus.
Die Bruttoanlageinvestitionen legten hingegen leicht zu. Vom Außenhandel kamen kaum Impulse.
Immerhin gibt es auch positive Signale. Wichtige Vorlaufindikatoren verbesserten sich im Juli. Der WIFO-Konjunkturklimaindex legte gegenüber dem Vormonat zu.
Auch der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex zeigte den fünften Monat in Folge eine Ausweitung der Industrieproduktion. Die Industrie erhöhte ihre Produktion sogar so kräftig wie zuletzt Mitte 2022.
Der Haken: Die neuen Aufträge gehen weiterhin zurück. Bei den Exportaufträgen wurde im Juli sogar der niedrigste Wert seit einem Jahr erreicht.
Die höhere Produktion kommt laut WIFO daher nicht durch zusätzliche Nachfrage zustande. Stattdessen werden bestehende Auftragsrückstände abgearbeitet und vorsorglich Materiallager aufgebaut.
In anderen Bereichen bleibt die Lage angespannt. Die Industrie trat im zweiten Quartal insgesamt auf der Stelle. Im Bauwesen ging die Wertschöpfung bereits das fünfte Quartal in Folge zurück.
Bei den Dienstleistungen zeigte sich ein gemischtes Bild. Den stärksten Zuwachs gab es bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Rückgänge verzeichneten hingegen die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie die öffentliche Verwaltung im weiteren Sinn.
Stabil zeigt sich weiterhin der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote blieb im Juli saisonbereinigt mit 7,6 Prozent nahezu unverändert.
Gleichzeitig nahm die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten weiter zu.