Der Anteil junger Menschen ohne Job oder Ausbildung ist in Tirol in den vergangenen 15 Jahren gesunken. Doch es zeigt sich ein wachsendes Problem. Denn wer heute betroffen ist, hat sich stark verändert. Immer häufiger handelt es sich um junge Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte und nur Pflichtschulabschluss. Für das AMS wird die Situation damit komplexer.
"Wir sehen immer öfter junge Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte mit maximal einem Pflichtschulabschluss oder keiner abgeschlossenen Berufsausbildung", sagt Sabine Platzer-Werlberger, Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol im ORF. Grund seien auch die "politischen Bewegungen rund um Europa und Österreich", viele junge Geflüchtete kommen jetzt in ein Alter, in dem Ausbildung oder Job anstehen.
Die Zahlen bestätigen den Trend: 2023 hatten bereits 51,8 Prozent der Jugendlichen ohne Job oder Ausbildung einen Migrationshintergrund. 2009 lag dieser Anteil noch bei 39,2 Prozent.
Dabei ist der Arbeitsmarkt in Tirol eigentlich günstig. In vielen Branchen fehlen Fachkräfte, Lehrstellen bleiben unbesetzt. Trotzdem schaffen es viele Jugendliche nicht in Ausbildung oder Arbeit.
Ein großes Hindernis sind fehlende Deutschkenntnisse. Ohne ausreichende Sprache wird der Einstieg in eine Lehre oder Schule schwierig – selbst dort, wo Betriebe dringend suchen.
Dazu kommt finanzieller Druck. Wer keine Unterstützung aus der Familie hat, muss oft früh Geld verdienen. Eine Ausbildung rückt damit in den Hintergrund. Besonders betroffen sind junge Menschen mit Fluchtgeschichte.
Das AMS hat deshalb sein Angebot in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Es gibt spezielle Programme, Coaching und Berufsorientierung, oft schon während der Schulzeit. Auch überbetriebliche Lehren und praxisnahe Projekte sollen helfen.
Ein Beispiel ist das Jugendcollege "Globus" in Innsbruck. Dort bekommen junge Menschen Unterstützung bei der Ausbildungswahl, Deutschkurse und Coachings.
Auch die "Naturwerkstatt Tirol" setzt an: praktische Arbeit wird mit Deutschunterricht kombiniert. In Kompetenzzentren - etwa für Gastronomie in Landeck oder kaufmännische Berufe in Innsbruck - können Jugendliche schrittweise einen Lehrabschluss schaffen, auch wenn sie zwischendurch arbeiten müssen.
Auffällig ist auch die Entwicklung bei den Geschlechtern. Zwar sind weiterhin mehr junge Männer betroffen, doch junge Frauen haben "leider aufgeholt", so Platzer-Werlberger im ORF.