"Im Kreis geschickt"

Österreicher wartet 18 Monate lang auf AMS-Geld

In Salzburg wurde einem Mann die Notstandshilfe ausbezahlt - nur nicht an ihn. Eine fremde Frau hatte das AMS-Geld bei der Post bereits abgeholt.
André Wilding
30.03.2026, 21:01
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Was wie ein schlechter Scherz klingt, wurde für Klaus S. bittere Realität. Als er im November 2024 in einer Salzburger Postfiliale seine Notstandshilfe abholen wollte, war das Geld bereits weg. Laut AMS und Post AG habe eine Frau M. den Betrag übernommen.

Für Klaus S. völlig unverständlich: Den "Gelben Zettel" hatte er noch selbst in der Hand. Eine Auszahlung wäre eigentlich nur gegen dieses Dokument und einen Ausweis möglich gewesen. Trotzdem konnte niemand erklären, wie es dazu kommen konnte - und vor allem, wo das Geld geblieben ist.

Betrag "prozesskonform" ausbezahlt

Monatelang passierte nichts. Weder Post noch AMS konnten oder wollten den Fall klären. Erst als sich Klaus S. ein halbes Jahr später an die Volksanwaltschaft wandte, kam Bewegung in die Sache. Das Team rund um Volksanwalt Bernhard Achitz hakte bei allen Beteiligten nach.

Die Antworten fielen ernüchternd aus. Die Post erklärte, man habe den Betrag "prozesskonform" ausbezahlt. Das AMS verwies auf Post und BAWAG. Für Achitz ist die Sache jedoch klar: "Dabei ist rechtlich vollkommen klar, dass das AMS Herrn S. das Geld schuldet und es auszuzahlen hat. Herr S. kann nichts dafür, dass die vom AMS beauftragten Firmen Post oder BAWAG nicht dafür gesorgt haben, dass das Geld bei Herrn S. ankommt", sagt Volksanwalt Achitz, "und es ist ihm auch nicht zuzumuten, von einer Stelle zur anderen im Kreis geschickt zu werden."

Brisante Wende

Auch strafrechtlich nahm der Fall eine Wendung. Das Justizministerium teilte zunächst mit, dass ein Verfahren eingestellt worden sei, weil Frau M. nicht auffindbar war. Doch nach dem Einschreiten der Volksanwaltschaft wurde weiter ermittelt, die Frau ausgeforscht und ein Prozess gestartet.

Dort soll M. laut Klaus S. erklärt haben, sie habe nur ihr eigenes Arbeitslosengeld und das ihres Freundes abgeholt. Mit dem Geld von Klaus S. habe sie nichts zu tun, sie kenne ihn nicht einmal - und seinen "Gelben Zettel" habe sie nie gehabt.

Im Video: "Unglaubliche Tricks" – AMS-Berater packt jetzt aus

Erst am 18. März 2026 kam schließlich die Lösung: Das AMS überwies die 885,30 Euro an Klaus S. - 18 Monate nach dem ursprünglichen Anspruch. Diesmal auf ein Bankkonto, das er inzwischen eröffnet hatte.

"Ist bedauerlich"

Für Volksanwalt Achitz ein unhaltbarer Zustand: "Es ist bedauerlich, dass Klaus S. 18 Monate auf das Geld warten musste, das er dringend braucht. Es darf nicht sein, dass das AMS sich erst um ihre Klient*innen kümmert, wenn die Volksanwaltschaft einschreitet."

Der Fall zeigt auch ein größeres Problem. Nur ein kleiner Teil der AMS-Zahlungen wird überhaupt bar ausgegeben. Betroffen sind meist Menschen ohne Bankkonto. Dabei haben laut Achitz alle in Österreich Anspruch auf ein günstiges Basiskonto. In der Praxis werde darüber in Bankfilialen aber oft nicht ausreichend informiert.

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