Firmen-Chef platzt der Kragen

"Eine Katastrophe! AMS schickt mir nur Idioten"

Falsche Angaben bei Bewerbungen, geplatzte Termine, fehlender Wille – ein Firmen-Chef ärgert sich über die Einstellung von manchen AMS-Beziehern.
André Wilding
28.03.2026, 06:02
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Die Suche nach Mitarbeitern wird für einen Unternehmer aus Niederösterreich zunehmend zur Herausforderung. Obwohl dringend Personal gebraucht wird, hagelt es derzeit eine Absage nach der anderen. Der Grund ist für viele Bewerber dabei aktuell häufig derselbe: Der Weg in die Arbeit ist ihnen einfach zu teuer oder zu weit.

Vor allem die gestiegenen Spritpreise schrecken viele Bewerber ab. "Sie sagen mir, dass sich das für sie nicht auszahlt, wenn sie jeden Tag zum Beispiel von Wien nach Niederösterreich mit dem Auto fahren müssten, da die Spritpreise einfach zu hoch sind", schildert Firmen-Chef Christian M. (Anm. Name geändert) gegenüber "Heute".

"Fahre keine Stunde in die Arbeit"

Selbst kürzere Strecken werden zum Problem. Für manche ist nämlich scheinbar schon eine Fahrzeit von rund 45 Minuten zu viel. "Der Weg zur Arbeit ist für mich leider zu lange, heißt es dann bei der Begründung – ich fahre doch keine Stunde in die Arbeit", so der Unternehmer zu "Heute".

Doch nicht nur Absagen machen dem Unternehmer zu schaffen. Auch die Qualität der Bewerbungen mancher AMS-Bezieher sorgt bei dem Firmen-Chef für großen Ärger. Immer wieder würden nämlich falsche Kontaktdaten angegeben oder wichtige Angaben schlicht nicht stimmen.

"Entweder ist die Telefonnummer falsch, oder die E-Mail-Adresse stimmt nicht – nur damit man sie nicht erreichen kann", erzählt der Firmen-Chef. Teilweise geben Bewerber auch an, ein Auto oder einen Führerschein zu besitzen - was sich später als falsch herausstellt. Andere erscheinen gar nicht erst zu vereinbarten Gesprächen.

"Viele Bewerbungen kannst du kübeln"

Für den Firmen-Chef steht fest, dass viele Bewerbungen nicht ernst gemeint sind. Sie würden oft nur abgeschickt, um Vorgaben zu erfüllen und beim Arbeitsmarktservice vorgelegt werden zu können. "Ich möchte klarstellen, dass ich nicht alle AMS-Kunden meine, aber viele Bewerbungen kannst du einfach kübeln", bringt er seinen Frust auf den Punkt.

"Teilweise kommt es mir echt so vor, als würde mir das AMS echt nur Idioten schicken", ärgert sich der Unternehmer weiter. "Und noch einmal: ich meine nicht alle Bezieher! Aber in letzter Zeit häufen sich einfach Fälle, wo die Bewerbungen einfach eine Katastrophe oder die Bewerber einfach nicht erreichbar sind."

Auch seine Mitarbeiterin Karin (Anm. Name geändert) kann über die Aussagen ihres Chefs ein Lied singen. Sie ist im Büro tätig und hat oft Lebensläufe von Bewerbern auf ihrem Tisch liegen, um mit potenziellen Mitarbeitern einen Termin für ein Kennenlernen auszumachen. "Doch oft ist die Nummer gar nicht vergeben oder sie heben nicht ab", erzählt Karin.

"Ab Tag 1 krank"

Generell hat Unternehmer Christian M. das Gefühl, dass bei manchen AMS-Beziehern die Motivation fehlt, eine ordentliche Bewerbung abzuschicken. "Und wir reden hier nicht etwa von Rechtschreibfehlern in Lebensläufen", stellt er. "Die sollten natürlich nicht passieren, aber das ist nicht der Untergang der Welt."

Im Video: "Unglaubliche Tricks" – AMS-Berater packt jetzt aus

Viel schlimmer findet er es etwa, wenn bei Angaben bewusst gelogen wird. "Es wird etwa in den Lebenslauf geschrieben, dass man einen Führerschein und ein Auto besitzt, doch wenn man sie dann darauf anspricht, dann heißt es plötzlich, der Pkw sei in der Garage und die nächsten Monate nicht verfügbar und daher der Weg zur Arbeit nicht möglich", sagt der Firmen-Chef.

Und auch ein weiteres Verhalten stört den Unternehmer gewaltig: "Es gibt auch Fälle, in denen man sich auf eine Anstellung einigt, den neuen Mitarbeiter anmeldet und er sich ab Tag 1 krankmeldet. Das kann zwar vorkommen, aber dann wochenlang nicht auftauchen und nur kassieren ist halt nicht gerade die feine Art!" Denn: "Was viele vergessen, das An- und Abmelden eines Mitarbeiters kostet Geld!"

AMS "reißt sich den Hintern auf"

Der Unternehmer spart im "Heute"-Gespräch dabei nicht mit Kritik, nimmt aber das AMS auch in Schutz: "Ich kenne viele Betreuer und weiß, dass sich die den Hintern aufreißen und auch nur ihren Job machen." Oft seien den Beratern aber die Hände gebunden. Doch was kann das AMS in solchen Fällen überhaupt tun?

Johannes Kopf, Vorstandsvorsitzender des AMS, erklärt gegenüber "Heute": "Im AMS arbeiten rund 800 Mitarbeiter, allein für die Betreuung der Unternehmen." Diese sind eine Servicestelle für die Arbeitgeber: "Wenn eine arbeitslose Person, die von uns mit einer Bewerbung beauftragt wird, sich nur den berühmten 'Stempel' holen will, dann gilt das als Verweigerung bzw. Vereitelung der Arbeitsaufnahme. Das ist mit einer Sanktion belegt."

Arbeitslosengeld gestrichen

Das bedeutet: Das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe wird gestrichen. Jährlich geschieht das knapp 80.000 Mal. Das AMS will in solchen Fällen jedenfalls gegensteuern: "Darum unsere dringende Bitte an alle Unternehmen um entsprechende zeitnahe Rückmeldungen an uns. Dafür steht 24/7 das eAMS-Konto für Unternehmen zur Verfügung oder alternativ einfach zum Hörer greifen und die Beraterin, den Berater anrufen oder ein E-Mail schreiben.

Denn: "Nur wenn wir informiert sind, können wir agieren!" Das weiß auch der Unternehmer, der jeden Sozialbetrug beim AMS meldet. "Ja, denn es sind nicht alle AMS-Bezieher so und viele sind auf Hilfe und Unterstützung wirklich angewiesen. Umso mehr ärgert es mich, dass es halt auch Fälle gibt, die das System gezielt ausnutzen."

{title && {title} } wil, {title && {title} } 28.03.2026, 06:02
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