Maja (24) ist schwer enttäuscht. Sie gibt sich gerade große Mühe, arbeitet hart an ihrem beruflichen Umstieg. Sie hat mit der Gastronomie abgeschlossen und versucht mit vollem Einsatz einen Bürojob zu ergattern. Ihr Traum: die Immobilienbranche.
Die Oberösterreicherin (Bezirk Linz-Land) besucht einen Immobilienkurs – das AMS unterstützt sie dabei. Wenn sie fertig ist, ist sie ausgebildete Bürokauffrau.
Derzeit ist sie aber grantig. Unter anderem hat sie in "Heute" gelesen, dass andere Menschen mit ihrem AMS-Geld regelmäßig auf Strandurlaub fahren. Sie kann sich das nie leisten. Erstens finanziell: "Ich muss ja in Österreich weiter Miete bezahlen", und zweitens, "ich muss schauen, dass ich wieder einen Job bekomme!"
Bei ihrem letzten Arbeitgeber erlebte sie, wie manche Menschen das Sozialsystem, "am Schmäh halten", wie sie sagt.
"Da kamen Arbeitslose, vom AMS geschickt, die offensichtlich nicht arbeiten wollen", erzählt Maja, "sie waren nur auf die Unterschrift vom Chef aus." Die 'Bewerber' wollten also lediglich belegen, dass sie anwesend waren, damit sie weiter Bezüge vom AMS erhalten.
Maja fragte nach bei ihrem Chef: "'Das ist ganz normal', sagte er mir!" Die junge Job-Umsteigerin frustrieren solche Erlebnisse. Vor allem, da sie häufig unpassende Vorschläge bekam: "Ich will ja unbedingt weg von der Gastronomie, trotzdem habe ich mehrmals Angebote als Aushilfsköchin bekommen – aber ich will arbeiten!"
Das sagt der AMS-Chef
Johannes Kopf, Vorstandsvorsitzender des AMS zu "Heute": "Im AMS arbeiten rund 800 Mitarbeiter, allein für die Betreuung der Unternehmen." Diese sind eine Servicestelle für die Arbeitgeber: "Wenn eine arbeitslose Person, die von uns mit einer Bewerbung beauftragt wird, sich nur den berühmten „Stempel" holen will, dann gilt das als Verweigerung bzw. Vereitelung der Arbeitsaufnahme. Das ist mit einer Sanktion belegt.“
Das bedeutet: Das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe wird gestrichen. Jährlich geschieht das knapp 80.000 Mal.
Das AMS will in solchen Fällen Gegensteuern: "Darum unsere dringende Bitte an alle Unternehmen um entsprechende zeitnahe Rückmeldungen an uns. Dafür steht 24/7 das eAMS-Konto für Unternehmen zur Verfügung oder alternativ einfach zum Hörer greifen und die Beraterin, den Berater anrufen oder ein E-Mail schreiben. Nur wenn wir informiert sind, können wir agieren."
Firmenchef Christian D. macht regelmäßig ähnliche Erfahrungen, er leitet ein Bauunternehmen in Wien-Donaustadt. Ein Bewerber saß ihm im Büro gegenüber und erklärte, warum sich die Arbeitslosigkeit für ihn finanziell voll auszahlt: "Er bekommt 1.500 Euro vom AMS, macht daneben zwei Pfusch-Jobs im Monat – das ist schon mehr als ich zahlen könnte", sagt D. Den Bewerber, der sowieso keinen Job will, sah er nie wieder.
Anderer Tag, andere Suche. Die Baufirma suchte dringend eine Assistentin: "Wir bekamen 30 Bewerbungen, wir haben uns die zehn passendsten ausgesucht und eingeladen." Es war ein stressiger Tag, pro Bewerberin war eine halbe Stunde eingeplant: „Im Endeffekt sind nur drei gekommen. Die anderen haben sich weder abgemeldet noch waren sie telefonisch erreichbar." Das Schlimmste, so der Firmenchef: "Die drei, die kamen, wollten nur einen Stempel für das AMS." An Arbeit war also auch in diesem Fall scheinbar keiner der Bewerber interessiert.