Für Josef Hoza änderte sich alles auf dem Weg zur Arbeit. "Plötzlich sind mir die Augen zugefallen, ich war weg", erinnert er sich. Nur wenige Sekunden Schlaf am Steuer – doch dieser Moment hätte ihn und andere das Leben kosten können. Später stellte sich heraus: Es war Sekundenschlaf, ausgelöst durch unbehandelte Schlafapnoe.
Dabei hatte es lange Anzeichen gegeben: lautes Schnarchen, ständige Müdigkeit, Probleme mit der Konzentration. "Egal wie lange ich geschlafen habe, ich war nie erholt." Erst im Schlaflabor kam die Wahrheit ans Licht: Dutzende Atemaussetzer pro Nacht. Heute lebt Hoza mit einer Beatmungsmaske. "Am Anfang war es ungewohnt, aber sie rettet mir das Leben. Ohne Maske würde ich das nicht überleben."
Aus seinen Erfahrungen heraus gründete Hoza die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich. "Mir war klar: Ich will nicht nur für mich kämpfen, sondern auch anderen helfen, die dieselben Probleme haben."
Noch dramatischer ist das Schicksal von Christine Urban. Ihre Atemaussetzer dauerten im Schlaf bis zu zwei Minuten und zwanzig Sekunden. "In dieser Zeit bekam ich keine Luft – manchmal bin ich richtig blau angelaufen", erzählt sie. "Ich hatte Todesangst, dass ich nicht mehr aufwache."
Die Folgen waren dramatisch: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, ständige Missverständnisse. "Viele hielten mich für faul oder depressiv. Dabei habe ich nachts einfach ums Überleben gekämpft." Heute besitzt Urban einen Behindertenausweis. "Damit wird endlich anerkannt, dass Schlafapnoe mein Leben massiv einschränkt."
Schlafapnoe bedeutet Atemaussetzer im Schlaf – oft über Jahre unbemerkt. Was mit Schnarchen beginnt, entwickelt sich zur tickenden Zeitbombe. Unbehandelt drohen Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Depressionen.
Studien zeigen: Rund 59 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen zwischen 20 und 80 Jahren leiden an leichter, mittlerer oder schwerer Schlafapnoe. Viele erfahren erst nach einem Unfall oder durch extreme Symptome, dass sie betroffen sind. "Es kann jeden treffen – und es kann tödlich enden, wenn man nichts unternimmt", warnt Hoza.
Die Beatmungsmaske gilt als Goldstandard. Viele Patienten – wie Hoza – gewöhnen sich schnell daran und berichten von einer deutlichen Besserung. Doch nicht jeder kommt mit ihr zurecht.
Als Alternativen gelten Zahnschienen, Operationen, Zungenschrittmacher, spezielles Atemtraining oder Gewichtsreduktion. Auch konsequente Schlafhygiene kann helfen. Allerdings übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur selten.
Dank Josef Hozas Engagement gibt es heute die Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich. Dort tauschen sich Betroffene aus, geben einander Tipps und stärken sich gegenseitig. "Hier versteht mich jeder sofort, ohne dass ich lange erklären muss", sagt Christine Urban.
Die Gruppe informiert über Ursachen, Symptome, Risiken und Therapiemöglichkeiten. Treffen finden in mehreren Bundesländern statt. Infos gibt es unter www.schlafapnoe-shg.at oder werktags telefonisch unter 0664 15 08 627.
Das erste Warnsignal ist oft harmlos wirkendes Schnarchen. Doch dahinter kann eine lebensgefährliche Krankheit stecken. "Bei mir hat es genau so angefangen", erinnert sich Hoza. Urban ergänzt: "Hätte ich früher gewusst, was hinter meinen Atemaussetzern steckt, hätte ich mir viele Jahre voller Angst und Risiken erspart."