Anna Fenninger feiert heute ihren 26. Geburtstag. Es wird auch ein Wendepunkt in der erfolgreichen Karriere der Ski-Gepardin. Um 10.30 Uhr (Im Wortlaut hier) bezog ÖSVPräsident Peter Schröcksnadel (73) in Wien Stellung zur Werbekampagne Fenningers mit Nicht-ÖSV-Sponsor Mercedes.
Anna Fenninger feiert heute ihren 26. Geburtstag. Es wird auch ein Wendepunkt in der erfolgreichen Karriere der „Ski-Gepardin“. Um 10.30 Uhr mit Nicht-ÖSV-Sponsor Mercedes.
Schröcksnadel berichtete am Donnerstagvormittag den anwesenden Journalisten, dass er sich am Mittwochabend kurzfristig mit Anna Fenninger in Innsbruck getroffen hätte. Das Gesprächsklima sei am Anfang "frostig" gewesen, später dann "sehr gut".Doch nun ist wieder alles eitel-wonne: "Lieben wir uns? - Ja wir lieben uns."
Das ist bei dem Gespräch am Mittwochabend in Innsbruck herausgekommen:
Anna Fenninger wird wieder volles Mitglied im ÖSV. "Die Anna wird alle Regeln akzeptieren." Die Sportlerin hat sich für ihren Facebook-Eintrag (.."dass sie mich als Lügner hergestellt hat") entschuldigt. Schröcksnadel: "Ich hab' der Anna angeboten, dass sie in jedem Punkt von uns Hilfe bekommt, wenn sie will."
Ihr Manager Klaus Kärcher wird gefeuert, er bleibt allerdings "Berater". Was genau das heißt, ist unklar. Schröcksnadel: "Den Herrn Kärcher akzeptieren wir nicht. Er wird sich in Zukunft im Hintergrund halten". Fenninger akzeptiere die neue Funktion von Kärcher, so der ÖSV-Chef. Sein Urteil: "Wenn ein Manager ganz Österreich auseinanderdividiert und gegeneinander aufbringt, ist er kein guter Manager."
Entschieden wurde außerdem, dass die umstrittene abgedreht wird. Schröcksnadel: "Die ist jetzt tot". Die Teamsponsoren seien wichtig, weil der ÖSV den Athleten sämtliche Kosten bezahlt. Schröcksnadel: "Das kann nur sein, wenn die Regeln eingehalten werden. Und das heißt keine Konkurrenzsponsoren". Und weiter: "Die einzige Einschränkung, die unser Athlet hat, ist keine Konkurrenzprodukte zu nehmen." Schröcksnadel fügte aber dazu: "Ob die Anna privat einen Mercedes fährt, ist mir egal."
Gefakte Protokolle
Laut "Wirtschaftsblatt" (Donnerstag-Ausgabe) hat der ÖSV das Sitzungsprotokoll gefälscht, das im Original beweise, dass der Mercedes-Deal bei einem Treffen, das schon vor einiger Zeit stattgefunden hatte, doch besprochen wurde. Im vom ÖSV präsentierten Protokoll wurde laut "Wirtschaftsblatt" nachträglich ein Zusatz angefügt. Schröcksnadel dazu: "Jedes Protokoll, das wir bekommen, war falsch, haben wir nachträglich korrigieren müssen."
ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner führte anschließend aus: "Wenn man ein Protokoll schreibt, und da stimmt etwas nicht, dann muss man das korrigieren. Das Protokoll, das mir übermittelt worden ist, war in einigen inhaltlichen Punkten nicht richtig."
Causa brachte Schröcksnadel ins Spital
Insgesamt hätte Schröcksnadel persönlich die Causa Fenninger emotional extrem getroffen: "Ungerechtigkeit und Lügen ärgern mich. Ich bin sogar im Spital gelandet, weil mein Fuß und meine Hand eingeschlafen waren. Da hat man nichts gefunden. Anscheinend war das eine Hochdruckattacke." Eigentlich war das Verhältnis zwischen Schröcksnadel und Fenninger stets gut gewesen: "Ich habe die Anna immer mögen. Sie ist eine Weltklasse-Athletin."
"Habe Herrn Kärcher noch nie schaufeln gesehen"
Was wäre passiert, wäre es nicht zur Versöhnung gekommen? "Wir hätten die Anna mit österreichischer Lizenz freigegeben. Das wäre die harte Tour gewesen, denn da steckt viel Logistik dahinter", gesteht Schröcksnadel. "Da braucht es dann aber ein Budget von 400.000 bis 600.000 Euro." Das wäre seiner Meinung nach auch für Fenninger nicht einfach gewesen, denn: Fenninger habe im Gegensatz zu Marcel Hirscher, der einen Bruder und einen Vater hat, die sich um ihn kümmern, "nicht so ein Umfeld". Er habe Herrn Kärcher "noch nie schaufeln gesehen".
Am deutschen Manager von Anna Fenningerl ässt Schröcksnadel kein gutes Haar: "Wir wollen ihn nicht mehr. Ein guter Manager verschafft dem Athleten Ruhe und Geld." Zwischen Kärcher und Schröcksnadel ist bereits seit längerer Zeit Funkstille: "Ich habe seit einem Jahr nichts mehr mit ihm gesprochen. Denn ich lasse mich nicht anlügen, ich lasse mir nichts unterstellen." Darüber hinaus bezeichnete der 73-Jährige einen Manager im Skisport als überflüssig: "Der macht ja keine Arbeit. Wir organisieren ja alles. Geld hat uns der Herr Kärcher noch nicht gebracht."
Vorwurf zur Frauenfeindlichkeit des ÖSV
Zum Vorwurf, dass weibliche Sportlerinnen im ÖSV-Team schlechter behandelt werden als ihre männlichen Kollegen, sagte Schröcksnadel: "Ich habe persönlich zwischen 1990 und 2000 den Damenskisport gerettet. Damals wollte keine Skifirma die Damen ausrüsten. Wir haben dann das Service übernommen und so den Damensport gerettet." Trotzdem will Schröcksnadel die Betreuung der Damen weiter ausbauen:
"Es gibt halt keine Damentrainerinnen. Die melden sich nicht an. Eine Frau spricht anders. Wenn man darauf nicht eingeht, hat man ein Problem. Das ist für einen Mann, der da nicht ausgebildet ist, sehr schwierig. Das ist sicher ein Anstoß, den uns die Anna gegeben hat."
Erfolgsgeschichte unter Schröcksnadel
Während der Pressekonferenz ging der ÖSV-Präsident noch auf die Entwicklung des österreichischen Skiverbandes in seiner 25-jährigen Amtszeit ein. "Ich habe den Skiverband mit einem Budget von 38 Millionen Schilling übernommen. Jetzt sind es 40 Millionen Euro. Das kommt nicht von ungefähr. Wir haben aktuell 400 Athleten und 200 Betreuer. Das ist ein riesiger Verband." Unterstellungen, der große Skiverband würde hohe Zuschüsse bekommen, wies der 73-Jährige zurück: "Nur fünf Prozent des Budgets sind Förderungen. Wir leben nicht davon."
Alpine und Skispringer als Zugpferde
Der Großteil der Finanzierung erfolgt über Teamsponsoren: "Das ist bei Bayern München auch nicht anders. Stellen Sie sich vor, der David Alaba fährt auch Audi. Dadurch können wir den Athleten sämtliche Kosten bis zur Nachspeise und dem Kaffee bezahlen." Dabei betonte Schröcksnadel noch einmal die finanzielle Situation des ÖSV: "Außer den Alpinen und den Skispringern verdient keiner so viel Geld, dass sie sich das leisten könnten. Die haben genau die gleichen Bedingungen. Das wird alles querfinanziert."
Als Präsident des ÖSV habe Schröcksnadel keinen Cent bekommen: "Ich habe mir meine Spesen immer selber bezahlt. Die Flüge nach Amerika, die Hotelrechnungen, den Privatwagen - obwohl ich den Vertrag mit Audi gebracht habe. Ich verdiene keinen Euro."
Ermittlungen nach der E-Mail-Affäre
Peter Schröcksnadel hat erneut beteuert, dass es nach der Veröffentlichung des ersten Mails von Anna Fenninger Konsequenzen geben wird: "Ich habe beim Staatsanwalt Anzeige erstattet. Ich möchte wissen, wer das veröffentlicht hat. Wenn es einer von uns war, fliegt er raus. Wenn es einer von der Anna war, wird sie ihre Konsequenzen ziehen müssen."
Erleichterung bei Sportminister Klug
Im Parlament zeigte sich der österreichische Sportminister Gerald Klug (SPÖ) über die Einigung zwischen dem Skiverband und Anna Fenninger erleichtert. Klug habe von Anfang an versucht, zu vermitteln und war froh, dass die 25-Jährige dem österreichischen Sport erhalten bleibt.