Antibiotika gelten als Wunderwaffen gegen bakterielle Infektionen - doch sie haben auch eine dunkle Seite. Schwedische Forscher haben nun herausgefunden, dass die Medikamente weit länger im Körper nachwirken als bisher angenommen.
Ein Forscherteam der Universität Uppsala analysierte über acht Jahre hinweg Daten von knapp 15.000 Menschen. Dabei wurden elf verschiedene Antibiotikaklassen untersucht.
Wie der Spiegel berichtet, zeigten sich bei sechs der elf untersuchten Klassen noch ein Jahr nach der Einnahme deutliche Veränderungen im Darmmikrobiom. Noch überraschender: Selbst vier bis acht Jahre später war die Bakterienvielfalt im Darm noch immer geringer als vor der Behandlung.
Nicht alle Antibiotika wirken gleich stark auf den Darm. Penicillin V, Amoxicillin und einige weitere Wirkstoffe beeinträchtigen das Darmmikrobiom deutlich kürzer. Clindamycin, Flucloxacillin und sogenannte Fluoroquinolone hinterlassen hingegen besonders langanhaltende Spuren.
Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass nach einer Antibiotikabehandlung jene Bakterien zunehmen, die mit einem höheren Risiko für Übergewicht, Diabetes und entzündliche Darmerkrankungen in Verbindung stehen. Gleichzeitig sank die Zahl der gesundheitsfördernden Bakterien.
Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse künftig bei der Wahl des Antibiotikums berücksichtigt werden. Wenn zwei gleich wirksame Präparate zur Verfügung stehen, könnte jenes bevorzugt werden, das die Darmflora weniger stark beeinträchtigt.