Fast 2000 Jahre alt

Antikes Klo zeigt Geheimnis von Römerbeton

Eine Latrine aus der Hadriansvilla verblüfft Forscher: Römischer Beton wurde mit der Zeit stabiler. Schuld ist eine Reaktion mit CO2.
Technik Heute
15.07.2026, 10:11
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Etwa 27 Kilometer östlich von Rom steht eine Toilette, die es in sich hat: Der Beton dieser Gemeinschaftslatrine aus der Hadriansvilla in Tivoli hat fast 1900 Jahre überdauert. Er überlebte den Untergang des Römischen Reiches und trotzte beinahe zwei Jahrtausende der Verwitterung.

Weil Restauratoren an einer Latrine normalerweise kein Interesse haben, blieb das Material unberührt - perfekt für die Forschung. "Das Material blieb 19 Jahrhunderte lang ungestört und führte still und leise ein Experiment durch, das kein lebender Mensch hätte beginnen können", erklärt Professor Paulo Monteiro von der University of California in Berkeley.

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Vulkanasche und Kalk als Basis

Laut Spektrum der Wissenschaft nutzten die römischen Baumeister eine geniale Mischung aus Kalk und Vulkanasche. "Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass die Römer Vulkane nutzten, um ihren Beton zu verbessern, während wir Zementöfen mit hohen Brenntemperaturen einsetzen", sagt Materialforscherin Maria Juenger von der University of Texas.

Ein Team um Xiaohong Zhu von der Technischen Universität Peking untersuchte den antiken Beton nun mit modernsten Methoden wie Rasterelektronenmikroskopie und Computertomografie. Das Ergebnis: Ein Prozess namens Carbonatisierung macht den Unterschied.

CO2 heilt Risse im Material

Dabei dringt Kohlenstoffdioxid aus der Luft in den Beton ein und reagiert mit kalziumhaltigen Verbindungen. Es entsteht Calcit, eine harte kristalline Form von Kalziumcarbonat. Dieser Calcit durchzieht den antiken Beton, füllt Poren und Risse und verbindet die Bestandteile miteinander.

Für modernen Beton ist diese Erkenntnis allerdings ein zweischneidiges Schwert. Heutiger Beton wird mit Stahlstäben bewehrt, die durch die Carbonatisierung rosten könnten. "Dieselbe Reaktion, die den römischen Beton still und leise gestärkt hat, ist eine schleichende Bedrohung für unseren", warnt Monteiro.

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