Bis Runde 30 lieferten sich die beiden Mercedes-Stars Kimi Antonelli und George Russell einen erbarmungslosen Kampf um den Sieg. Das Duell entschied dann allerdings ein technischer Defekt: Der Bolide des Briten hatte einen Motorschaden, Russell schied aus. Damit war der Weg für den vierten Saisonsieg in Folge (!) von Antonelli geebnet. Der Italiener führt in der WM-Wertung nun 43 Punkte vor seinem Teamkollegen.
Lewis Hamilton profitierte vom Ausfall seines ehemaligen Teamkollegen und wurde nach einem starken Überholmanöver in Runde 62 gegen Max Verstappen starker Zweiter. Der Niederländer landete schlussendlich überraschend dahinter auf dem dritten Platz. Er sorgte zuvor im Vorfeld des Rennens für Aufsehen, weil er einmal mehr betonte unter den aktuellen Bedingungen nicht weiter Teil der Formel 1 sein zu wollen. "Es ist mental einfach nicht machbar für mich, so weiterzumachen. Wirklich nicht", erklärte der Red-Bull-Pilot nach dem Qualifying.
"Mir fehlen die Worte", sagte Russell bei Sky, "es war eigentlich ein gutes Wochenende." Die intensiven Zweikämpfe habe er "sehr genossen, das war hart, darum geht es doch hier." Beide Mercedes-Piloten bekämpften sich auf der Strecke, beide begingen dabei allerdings auch Fahrfehler, mehr als einmal kam es fast zum Unfall – dabei hatten ähnliche Szenen am Samstag im Sprint von Montreal noch ein ausführliches, klärendes Dreiergespräch mit Teamchef Toto Wolff zur Folge.
Der Defekt an Russells Auto entschied letztlich das Duell, er kam für den Engländer zur Unzeit: Nach schwierigen Wochenenden hatte er sich in Kanada mit dem Sprintsieg und der Pole Position eigentlich wieder in Stellung gebracht.
Charles Leclerc wurde hinter Ferrari-Teamkollege Hamilton Vierter, Nico Hülkenberg verpasste im Audi erneut die Punkte. Für McLaren war es indes ein völlig ruiniertes Rennen. Oscar Piastri wurde nur Elfter, Weltmeister Lando Norris sah nach einem Defekt die Zielflagge nicht. Für beide hatte das Unheil schon vor dem Start begonnen.
Denn tagelang hatte in Montréal das Wetter am Rennsonntag eine große Rolle gespielt, Regen schien eigentlich unausweichlich – wie zuletzt in Miami nach ähnlichen Ansagen war dann aber alles halb so wild. Vormittags hatte es geregnet, die Strecke trocknete dann ab, und doch sorgte der Wetterbericht weiterhin für Verunsicherung.
Ein paar Tropfen gab es vor dem Start, und so entschied sich so manches Team für Intermediate-Reifen, darunter auch McLaren – ein grober Fehler, das sollte schon bald deutlich werden. Zwar zog Norris nach einem hervorragenden Start von Position drei an beiden Mercedes vorbei, musste aber wenig später die Reifenwahl korrigieren und kam für Slicks an die Box. Das Gleiche galt für Hülkenberg im Audi, der dadurch von Startplatz elf weit zurückfiel.