Ausgerechnet jetzt, wo die neue Sky-Doku "Ralf & Étienne: Wir sagen Ja" die Beziehung von Ralf Schumacher und seinem Partner Étienne Bousquet-Cassagne in den Mittelpunkt stellt, sorgt die Vergangenheit des Franzosen für neue Diskussionen.
Der "Spiegel" erinnert aktuell daran, dass Bousquet-Cassagne jahrelang politisch für den rechten Front National heute Rassemblement National aktiv war und dort sogar als großes Nachwuchstalent galt.
Das Magazin schreibt kritisch, ein langjähriger Politiker einer rechtsextremen Partei werde nicht automatisch zu einer "unbelasteten Dokusoap-Figur", nur weil er heirate, elegante Anzüge trage oder in einer TV-Doku private Einblicke gewähre. Zwar sei die gesellschaftliche Normalisierung eines homosexuellen Paares positiv, die romantische Darstellung eines ehemaligen Front-National-Funktionärs müsse jedoch kritisch betrachtet werden.
Étienne trat bereits 2007 im Alter von 17 Jahren der Partei von Marine Le Pen bei. Später kandidierte er für den Front National und galt mit 27 Jahren sogar als jüngster Kandidat bei den französischen Parlamentswahlen. Zudem führte er Wahllisten bei den Kommunalwahlen in Villeneuve-sur-Lot an und wurde später als Stadt- und Regionalrat im Département Lot-et-Garonne gewählt.
Über Marine Le Pen sagte Bousquet-Cassagne damals: "Sie erschien mir sympathisch." In einem Interview mit "La Dépêche" erklärte er zudem: "Ich habe mich aus Überzeugung beim Front engagiert und weil ich die Ideen unterstützt habe." Anfangs habe er Flugblätter verteilt und Plakate geklebt.
Besonders brisant: Die Partei verfolgt seit Jahren einen umstrittenen Kurs im Umgang mit LGBTQ-Themen. Einerseits positioniert sich Marine Le Pen als Verteidigerin homosexueller Menschen gegen Anfeindungen aus konservativ-muslimischen Milieus, andererseits kritisiert der Rassemblement National regelmäßig "LGBT-Propaganda" und sogenannte "Gender-Ideologie".
Im September 2020 zog Étienne schließlich einen Schlussstrich unter seine politische Karriere. In einem öffentlichen Schreiben erklärte er damals: "Nach 13 Jahren Engagement für den FN und später den RN habe ich beschlossen, all meine politischen Aktivitäten zu beenden."