Der US-Journalist Evan Gershkovich muss weiterhin in Russland in Haft bleiben. Das Gericht in Moskau entschied am Dienstag, dass die gegen den Reporter des "Wall Street Journal" bis zum 29. Mai verhängte Untersuchungshaft in Kraft bleibt, so die Nachrichtenagentur AFP. Die russischen Behörden werfen dem 31-jährigen Reporter Spionage vor, was dieser kategorisch zurückweist.
Der Reporter reagierte auf die Entscheidung auf Russisch mit den Worten: "Alles verstanden. Ich danke Ihnen sehr." Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht seit seiner Festnahme wirkte Gershkovich entschlossen. Mit verschränkten Armen lächelte er mehrmals Reportern zu, die ihn filmten und fotografierten. Seine Handgelenke wiesen tiefe Abdrücke von Handschellen auf.
Seine Anwältin Maria Kortschagina sagte, Gershkovich sei kämpferisch. "Er macht Sport und weiß, dass ihn die Menschen unterstützen", sagte sie am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Gershkovich habe die Entscheidung angefochten, "er will beweisen, dass er nicht schuldig ist, er will beweisen, dass es noch einen Raum für die Pressefreiheit gibt", erklärte Kortschagina.
Gershkovichs Anwälte erklärten, sie hätten seine Freilassung unter Hausarrest beantragt und eine Kaution von 50 Millionen Rubel (rund 575.000 Euro) angeboten. Eine Entscheidung zu Gershkovichs Gunsten war jedoch nicht erwartet worden. Die US-Botschafterin Lynne Tracy, die den Journalisten am Montag im Gefängnis besucht hatte, war im Gericht anwesend. "Er ist bei guter Gesundheit und bleibt stark", hatte sie nach ihrem Besuch gesagt.
US-Außenminister Antony Blinken forderte am Montag erneut die "sofortige Freilassung" des Reporters. "Ich gebe die Hoffnung nicht auf", hatte Gershkovich in einem Brief aus dem Gefängnis an seine Eltern geschrieben, der vergangene Woche vom "Wall Street Journal" veröffentlicht wurde.
Es ist das erste Mal seit dem Ende der Sowjetunion, dass ein ausländischer Journalist unter solch schweren Vorwürfen in Russland in Haft genommen wurde. Viele Beobachter gehen davon aus, dass er Moskau in einem möglichen künftigen Gefangenenaustausch mit Washington als Verhandlungsmasse dienen soll. Ein Datum für den Prozess gegen Gershkovich wurde noch nicht bekannt gegeben.
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