Apotheker schlagen Alarm: "Uns gehen Medikamente aus!"

Papier-Rezepte sind ab Anfang Juli Geschichte.
Papier-Rezepte sind ab Anfang Juli Geschichte.Getty Images/iStockphoto
Seit mehreren Wochen sorgen Lieferschwierigkeiten in den heimischen Apotheken für Arzneimittel-Engpässe. Teilweise sind die Regale völlig leergeräumt.

Viele Patienten werden es womöglich schon mitbekommen haben: In den Apotheken fehlen seit mehreren Wochen bekannte Medikamente. Wie "Heute" aus Apotheker-Kreisen erfuhr, sollen enorme Lieferschwierigkeiten für die teils gravierenden Engpässe verantwortlich sein.

Wichtige Arzneimittel nicht lieferbar

Ihnen selbst sind jedoch die Hände gebunden, wenn bei den täglichen Bestellungen schlichtweg keine Medikamente mehr lieferbar sind. Am Ende müssen sie den Patienten und Kunden erklären, dass die verschreibungspflichtigen Tabletten nicht da sind – was durchaus zu heftigen Diskussionen führt. Wie akut die Engpässe momentan sind, kommentierte eine Angestellte gegenüber "Heute": "Ich bin seit etlichen Jahren in der Branche tätig und habe so etwas noch nie erlebt." Anitbiotika wie Augmentin, Clavamox und Beta-Lactam sind laut ihr bei den Großhändlern komplett ausverkauft.

Produktion in China und Indien

"Heute" fragte bei der Apothekerkammer nach, wie sie die Situation in den heimischen Apotheken einstufe. "Lieferengpässe treten immer wieder auf. Ebenso wie bei den fehlenden Tests trifft die Apothekerschaft keine Schuld", heißt es in einer Stellungnahme.

Die Produktion und die Lagerung von Arzneimitteln erfolgen nämlich fast ausschließlich in China und Indien. Die daraus resultierende große Abhängigkeit Europas sei eine Folge der Globalisierung. "Eine Lösung muss auf politischer EU-Ebene gefunden werden", so ein Pressesprecher gegenüber "Heute".

Engpässe sind "Begleiter unserer Gesellschaft"

Die Engpässe seien "divergierend" und würden von dem Bestand der Apotheke und der Nachfrage abhängen. "Ein ständiger Begleiter unserer Gesellschaft", erklärt die Apothekerkammer. Wie lange der Medikamentenmangel noch andauern werde, konnte man nicht beantworten, das hänge eben von den Lieferungen ab.

"Die Apotheker investieren täglich zwei Stunden, um nicht vorhandene Medikamente aufzutreiben. In mehr als 95 Prozent der Fälle können die Probleme gleich vor Ort gelöst werden", so der Pressesprecher abschließend. Die Diskussionen in den Apotheken werden also wohl noch weiter gehen – zumindest solange die Lieferschwierigkeiten nicht gelöst sind.

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