Südostasien gilt als Werkbank der Welt. Täglich schuften Millionen Menschen in Fabriken, nähen Gewand, bauen Produkte zusammen oder sortieren Waren. Diese Arbeit weckt das Interesse von Firmen aus der KI- und Robotikbranche – etwa von Tesla. Sie wollen mit Hilfe von Kopfkameras die Handgriffe der Arbeiter aufzeichnen. Später sollen Roboter genau diese Tätigkeiten übernehmen. Wie "20 Minuten" berichtet, sammeln Unternehmen so massenhaft Daten, um die Maschinen zu trainieren.
Tesla-Chef Elon Musk meint, dass künftig rund 80 Prozent des Firmenwerts von Robotern kommen werden – nicht mehr von Elektroautos. Damit das klappt, braucht sein Unternehmen Unmengen an Aufnahmen. Geschätzt werden Hunderte Millionen, vielleicht sogar Milliarden Stunden an gefilmten Arbeitsabläufen nötig sein, bevor Roboter wirklich zuverlässig in echten Fabriken eingesetzt werden können.
Gerade in Ländern wie Indien kommen Unternehmen besonders günstig an diese wertvollen Daten. Die Aufnahmen werden bearbeitet, beschriftet und für die KI verwertbar gemacht. Doch das Ganze wirft viele Fragen auf. Laut dem Guardian erhalten Arbeiter in sechs untersuchten Fabriken keinen Cent extra, obwohl sie die Daten liefern. Ob die Teilnahme wirklich freiwillig ist, ist fraglich – viele fürchten um ihren Job, wenn sie ablehnen. Außerdem könnten die Kameras leicht zur Überwachung missbraucht werden.
Die befragten Unternehmen geben zu: Die Arbeiter werden nicht genau informiert, was mit den Aufnahmen passiert. Dabei schaffen sie nicht nur mit ihren Händen Wert, sondern liefern auch noch einen digitalen Schatz, wie Madhumita Dutta von der Ohio State University gegenüber dem Guardian erklärt.
Dutta forscht zu Arbeit, Technik und künstlicher Intelligenz. Wer nicht weiß, dass die eigenen Bewegungen zu Geld gemacht werden, kann auch weder eine Entschädigung verlangen noch einer späteren Nutzung widersprechen, sagt sie.
Wird eine Arbeiterin gefragt, ob sie am Wert der Daten beteiligt werden sollte, lacht sie nur: "Wir bekommen ja nicht einmal jetzt den vollen Wert unserer Arbeit bezahlt. Wer wird uns bezahlen, wenn wir durch Roboter ersetzt werden?"