Das Motto der damaligen Bundesregierung lautete – wir erinnern uns – koste es, was es wolle. Da dachte sich der Angeklagte wohl – ganz egal wie. Am Mittwoch konnte sich der 45-jährige Maler und Anstreicher den Freispruch schnell aufmalen. Zu detailliert und umfangreich ging aus 36 Seiten Anklageschrift hervor, wie der arbeitslose Türke mit anderen ein Netz an Konten und Firmen aufspannte und als "IT-Experte" der Gruppierung mit fein säuberlich ausgefüllten Anträgen COFAG-Geld und Wirtschaftskammer-Hilfen einstrich.
Dafür wurden laut Staatsanwaltschaft nichts ahnende Bulgaren angekarrt, die in Wien Scheinfirmen gründen mussten. Insgesamt flossen zwischen 2020 und Ende 2022 so über 300.000 Euro an Staatsgeld bei den Betrügern zusammen. Während sich ein abgesondert verfolgter Komplize Luxus und teure Autos gönnte, zog sich der suchtkranke Türke alles Geld durch seine Nase. "Das ist mildernd zu werten und von der kriminellen Energie ganz anders", erklärte Star-Anwalt Philipp Wolm den Schöffen.
Gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Werner in Topform gelang es, durch das umfassende und reumütige Geständnis des Angeklagten das Verfahren empfindlich abzukürzen. Einzig bei der Summe des Verfalls war man mit der Anklägerin uneins. "Ich habe nur rund 50.000 Euro bekommen, den Rest die anderen", so der Angeklagte, der künftig ein "stabiles" und "normales" Leben führen möchte. Das könnte noch ein wenig dauern. Das Urteil: vier Jahre unbedingte Haft, nicht rechtskräftig.