Zwei Mädchen aus Syrien und Rumänien (beide 15 Jahre) und ein junger Syrer (17) sollen am 19. September im Streit einen Mann (37) beim Westbahnhof in Wien niedergestochen haben. Mordversuch lautete der schwere Vorwurf, der nun vor dem Schwurgericht verhandelt wurde – wir berichteten. Die Teenager gehörten zur Drogenszene, die sich regelmäßig am Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen am Gürtel beim Westbahnhof trifft, werden von der MA11 betreut.
Am Mittwoch (11.2.) sagte nun endlich das Opfer (37) vor Gericht aus. Der Mann ist selbst in Eisenstadt in Haft, war mit sieben Stichen in der Wiese gefunden worden – nur ein schneller Rettungseinsatz rettete ihm das Leben. "Sie sind zu dritt auf mich losgegangen", erklärte er am zweiten Verhandlungstag im Zeugenstand. Der Mann hatte bei der Tat einen Blutschock erlitten, das hätte tödlich enden können – deshalb wurde die Tat als Mordversuch eingestuft.
Das Opfer flüchtete auf einen Tisch, erlitt Schnittverletzungen an den Beinen. Als er mit blutigen Verletzungen davonlaufen wollte, sollen ihn die beiden Mädchen mit Messern attackiert haben. Ein Messer blieb angeblich in der linken Hand des Opfers stecken. Auch die rechte Hand wurde schwer verletzt. Einen vorausgegangenen Streit bestritt das Opfer. "Ich habe keine Ahnung, warum sie mich attackiert haben." Seine Hand könne er nur noch schwer bewegen. Der 37-Jährige forderte 3.800 Euro Schmerzensgeld.
Das spätere Opfer soll laut Aussagen der Angeklagten die Jugendlichen provoziert haben. Der Drittangeklagte, ein 17-jähriger Syrer, soll dabei von seinem 37-jährigen Kontrahenten einen Schlag ins Gesicht bekommen haben. Danach holte dieser angeblich ein Brotmesser, die Situation eskalierte. "Es war ein Durcheinander, jeder hat geschrien", so die 15-Jährige. "Ich habe an dem Tag Ecstasy genommen."
Die beiden Mädchen bestritten die Vorwürfe. Die zweitangeklagte Rumänin bekannte sich "nicht schuldig", will die Tat nur aus der Ferne beobachtet haben. Sie habe verhindern wollen, dass ihre erstangeklagte Freundin zusticht. "Ich wollte ihr nur das Messer abnehmen."
Der Richter schüttelte ungläubig den Kopf. "Wann ist Ihnen diese schöne Geschichte eingefallen? Sie erzählen bei jeder Gelegenheit etwas anderes." "Ich habe in der Einvernahme gelogen, weil ich unter Drogen stand", so die 15-jährige Rumänin – vertreten von Top-Anwältin Clara Abpurg. Das blutige Messer sei ihr in die Hand gedrückt worden, zugestochen habe sie aber nicht.
Auch die erstangeklagte Syrerin tischte zum wiederholten Mal eine andere Version der Geschichte auf. "Es gibt keine Klarheit in dem Verfahren", so der Star-Verteidiger des Drittangeklagten, Florian Kreiner.
Mittwochabend (11.2.) fielen dann nach Beratung der Geschworenen die Urteile. Der 17-jährige Syrer wurde wegen versuchten Mordes nach dem Jugendstrafrecht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die beiden Mädchen (15) fassten jeweils drei Jahre Haft wegen absichtlich schwerer Körperverletzung aus. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.