Es sind Worte, die unter die Haut gehen!
53 Tage vor dem Start der Fußball-WM spricht ÖFB-Star Marko Arnautovic erstmals offen über seine psychischen Probleme und gesteht, dass er unter Depressionen gelitten hat – ausgelöst durch die harte Corona-Zeit während seines Engagements in China.
"Ich bin dann in so eine Depression reingekommen, über die keiner wusste. Das war schlimm", erzählt der 37-Jährige ungefiltert im Podcast "Servus, WM! We are from Austria" bei Reporterin Julia Kienast. Kurz nach seiner Ankunft bei Shanghai Port brach die Pandemie aus – und stellte sein Leben komplett auf den Kopf.
"Dann habe ich jeden Tag gedacht: Wieso habe ich das gemacht? Sehr viele Leute haben ihr Leben verloren, Familienmitglieder verloren, Freunde verloren. Es war eine Horror-Zeit. Und ich musste das dreimal erleben. Und irgendwann habe ich gesagt: Ist es das wert für das Geld, dass ich mein Leben so wegschmeiße und dass ich nicht mit meiner Familie sein kann?"
Die Situation brachte ihn an seine Grenzen. Arnautovic sprach deshalb viel mit seiner Familie, nahm aber bewusst keine Medikamente. "Ich habe Angst vor Tabletten. Ich war aber knapp davor, es war richtig schlimm", offenbarte der Rekordtorschütze mit 47 Treffern im ÖFB-Team. Trotz allem betont er: Gedanken, sich das Leben zu nehmen, hatte er nie.
Arnautovic weiter: "Ich habe mir vorgestellt: Es regnet jeden Tag. Irgendwann kommt die Sonne, irgendwann kommt das Licht, und dann ist alles vorbei. Ich habe sehr viel mit mir selbst gearbeitet. Ich habe sehr viele Dokumentationen und Reportagen geschaut und mich sehr viel damit beschäftigt. Ich habe sehr viel im Zimmer trainiert, aber die Zeit im Zimmer vergeht einfach nicht."
Besonders die strengen Maßnahmen in China machten ihm zu schaffen. Mehrfach musste der Stürmer in Quarantäne – unter extremen Bedingungen. "Ich musste in ein Hotel für zwei Wochen. Ich durfte die Tür nicht aufmachen. Ich hatte kein Fenster", schildert er. Dazu kamen unzählige Tests und Kontrollen.
Die Wende kam mit dem Angebot von Bologna. Arnautovic kehrte zu seiner Familie zurück nach Deutschland – doch selbst im Kreise seiner Liebsten fühlte er sich zunächst noch "verloren". "Das war für mich alles neu. Wir konnten im Garten sitzen und mit den Hunden spazieren gehen."
Heute weiß Arnautovic, was wirklich zählt: "Ich brauche das, dass sich meine Kinder streiten oder meine Frau mit mir diskutiert. Dann weiß ich, wir leben." Und: Geld ist nicht alles im Leben. "Was für Geld. Es gibt nichts Schöneres, als wenn du eine gesunde Familie hast."