Arsenal-Ärger mit drittem Kapitän in drei Monaten

Bei Arsenal häufen sich Zweifel über den neuen Kapitän Aubameyang. Vorgänger Xhaka scheint schon nach einem neuen Klub zu suchen.

Wer sie trägt, rückt in den Fokus. Bei einem Weltklub wie Arsenal sowieso. Doch bei den "Gunners" scheint die Kapitänsbinde gleichzeitig auch dazu zu führen, stark in die Kritik zu geraten: Gut zwei Wochen sind vergangen, seit Granit Xhakas emotionalem Ausbruch gegen Crystal Palace (2:2), als er die Zuschauer bei seiner Auswechslung animierte, noch lauter zu buhen, sein Trikot auszog und in der Kabine verschwand.

Ein paar Tage später entzog ihm Trainer Unai Emery das Amt und machte stattdessen Pierre-Emerick Aubameyang zum neuen Spielführer. Die Begründung des Spaniers: Er verfüge über viel Erfahrung, sei in der letzten Saison der beste Torschütze der Premier League gewesen und, Emerys wichtigstes Argument: "Er wird in der Kabine respektiert."

Der Bruch mit Dortmund

In 79 Spielen hat der Gabuner 50 Tore für Arsenal erzielt. Sein sportlicher Wert für den kriselnden Großklub ist evident. Dennoch ist Aubameyang eine umstrittene Persönlichkeit. Seinen Wechsel von Borussia Dortmund ertrotzte er sich im Januar 2018, in dem er beim BVB nicht mehr zum Training erschien. Seither sind die Fronten zwischen beiden Parteien verhärtet: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke warf dem Stürmer in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" indirekt Geldgier vor, Aubameyang konterte via soziale Medien und bezichtigte Watzke, sein Wort gebrochen zu haben, Kollege Ousmane Démbélé nie zu verkaufen.

Die Verbindung zum Fan-TV

In London war der 30-Jährige bisher praktisch nie kritischen Stimmen ausgesetzt – seiner starken Torquote sei Dank. Nun aber, mit der zusätzlichen Aufmerksamkeit und Verantwortung, welche die Captainbinde mit sich bringt, werden sie lauter, die Stimmen, die sich fragen, ob Emery den Richtigen zum Nachfolger von Granit Xhaka gemacht hat: Wie David Ornstein in "The Athletic" schreibt, unterhält der Gabuner eine freundschaftliche Beziehung zu den Betreibern des YouTube-Kanals "AFTV", dem inoffiziellen Fansender Arsenals, auf welchem auch Xhaka regelmäßig harsch kritisiert wurde.

Dadurch, so Ornstein, könne er sich der kritischen Stimmen entziehen. Aubameyangs Verbindung zum Fan-TV äußerst sich nicht nur dadurch, dass er in den sozialen Medien Likes unter dessen Posts setzt – unter anderem schenkte Aubameyang einem Post ein Herzchen, der den Verkauf Xhakas im Januar fordert – sondern auch dadurch, dass er die Betreiber in die Box im Emirates Station einlädt, die für Freunde und Familie vorgesehen ist. "AFTV" veröffentlichte am Montag ein 20-minütiges Antwortvideo auf Ornsteins Artikel und erklärte alles für Schwachsinn, etwas, das sich Journalisten in der Nationalmannschaftspause an den Haaren herbeigezogen hätten.

Der auslaufende Vertrag

Und Aubameyang postete nach der Landung in Gabun, wo er am Donnerstag im Rahmen der Afrika-Cup-Qualifikation gegen die Demokratische Republik Kongo spielen wird, ein Bild auf Instagram und schrieb dazu: "Ich rede mit wem ich will, wann ich will. Falls jemand damit nicht glücklich ist, wisst ihr, was das heißt." Es folgt ein Emoji des ausgestreckten Mittelfingers.

Pierre-Emerick Aubameyang reagiert in seiner Instagram-Story auf Kritik in Medienberichten.

Eigentlich wollte Unai Emery mit der Ernennung Aubameyangs zum Kapitän Ruhe ins Umfeld bringen. Das ist nicht gelungen, und dürfte auch in Zukunft schwierig werden: Der Vertrag des Stürmers läuft im Sommer 2021 aus. Er dürfte abwarten, wie sich die sportliche und private Situation im Norden Londons entwickelt. Verpasst es Arsenal zum wiederholten Mal, sich für die Champions League zu qualifizieren, könnte er sich nach einer neuen Herausforderung umsehen.

Xhakas Flirt mit Milan

Xhaka hat derweil seit dem Vorfall gegen Crystal Palace nicht mehr gespielt. Im "SonntagsBlick" sprach er zuletzt offen über seine Gefühle der letzten Wochen, wie sich ob der ständigen Anfeindungen der Medien und Fans Frust und Schmerz angestaut hätten, die er nicht mehr zurückhalten wollte, weil die Grenze des Tolerierbaren vorab in den sozialen Medien längst überschritten worden sei.

Der Basler versicherte auch, weiter alles zu geben für Arsenal, sein Trainer äußerste gleichzeitig aber Zweifel darüber, dass der 27-Jährige noch einmal für die Gunners spielen würde. Eine Zukunft Xhakas in London scheint unwahrscheinlich – trotz eines Vertrags bis 2023. Dieser ist mit rund elf Millionen Franken Jahresgehalt fürstlich dotiert, und es dürfte für die Engländer kein einfaches Unterfangen werden, für den Mittelfeldspieler, für den sie 2016 über 50 Millionen an Borussia Mönchengladbach überwiesen, einen Abnehmer zu finden, ohne große finanzielle Einbussen hinnehmen zu müssen.

In England gibt es Gerüchte, wonach Newcastle United an einer leihweisen Übernahme im Winter interessiert sei – unter dem Vorbehalt, dass Arsenal für den Löwenanteil von Xhakas Salär aufkommt. Im Sommer könnte es Xhaka dann nach Mailand zur AC Milan ziehen. Deren Geschäftsführer Ivan Gazidis arbeitete zwischen 2009 und 2018 für Arsenal, ehe er nach Mailand übersiedelte.

Der Südafrikaner kennt Xhaka gut aus gemeinsamen Londoner Tagen und spielte eine tragende Rolle darin, dass sich Xhaka dereinst für die Gunners entschied. Nun scheint nicht unwahrscheinlich, dass es zwischen den beiden zu einer Wiedervereinigung kommt und Gazidis Xhaka aus London befreit. Wie das Tessiner Fernsehen RSI berichtet, hat Xhaka die Suche nach einem Haus in Mailand bereits aufgenommen.

Das Koscielny-Theater

Pikant: Schon vor Xhakas Ernennung zum Kapitän in der Frühphase der aktuellen Saison hatten die Gunners eine Krise rund um das Amt durchstehen müssen. Laurent Koscielny brachte die Fans in Aufruhr, als er als Kapitän des Klubs eine Reise mit dem Klub verweigerte, sich damit seinen Wechsel zu Bordeaux erstreikte. Ein absolutes No-Go für jeden Spieler. Vor allem für einen Kapitän.

Aubameyangs Vertrags-Situation sorgt bei Arsenal-Fans dementsprechend für Bauchschmerzen.

(20min)

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