Arzt erklärt: Darum hatte Lauda keine Chance mehr

Der Tod von Niki Lauda erschüttert Österreich. Todkrank kämpfte er bis zuletzt um sein Leben. Top-Mediziner Ludwig Kaspar erklärt, warum es aussichtslos war.
Niki Lauda hatte sich seit März für eine Reha in der Klinik Cereneo nahe Luzern aufgehalten. Anfang Mai verschlechterte sich der Zustand des 70-Jährigen, er bekam Probleme mit der Spenderniere, musste zur Dialyse ins Zürcher Spital.

Für Walter Klepetko, der Lauda seit seiner Lungentransplantation betreute, kommt der Tod nicht unerwartet.

"Niki Lauda hat gekämpft. Er war ein toller Mann. Aber es war seit einiger Zeit klar, dass wir ihn nicht mehr auf die Rennstrecke zurückbringen können", so der Mediziner zur APA.

CommentCreated with Sketch.0 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Das Ableben der Formel-1-Ikone habe sich schon länger abgezeichnet. "Es gibt keine Todesursache. Es war ein langer Prozess, an dessen Ende der Patient gegangen ist", so Klepetko.



Was man sich unter dem Satz "Es gibt keine Todesursache" vorstellen kann, erklärt netdoktor.at-Chefarzt Dr. Ludwig Kaspar.

"Niki Lauda war am Ende leider ein todkranker Mann, nicht mehr rehabilitierbar. In solchen Situationen stellen viele Organe ihre Funktionen ein. Eine gute ärztliche Versorgung und sein Kämpferherz haben Lauda noch länger am Leben gehalten."

Die Krankenakte

– Der Feuerunfall 1976 verletzte Laudas Lungen schwer. Die Hitze setzte hochgiftige Dämpfe frei.

– 1976 stellte eine Niere die Arbeit ein. Lauda wurde zum ersten Mal transplantiert. Bruder Florian spendete eine Niere.

–2005 wurde eine weitere Nieren-Transplantation nötig. Diesmal war Lauda-Frau Birgit die Spenderin.

– Im August 2018 schließlich wurde Lauda im Wiener AKH die Lunge transplantiert. Auslöser war eine schwere Lungenerkrankung.

– Lauda erholt sich in der Reha, durfte nach Hause.

–Im Jänner 2019 warf Lauda eine schwere Grippe zurück. Davon erholte er sich nicht mehr.

– Lauda starb am 21. Mai in der Uniklinik Zürich. Zuvor musste er sich Dialysen unterziehen, wurde künstlich beatmet.

"Es ist anzunehmen, dass am Ende ein Multiorganversagen zu Laudas Tod geführt hat", sagt Kaspar. "Ein Patient mit dieser Krankengeschichte kann sich kaum noch erholen. Wenn er dann in der Rehabilitationskette noch zusätzlich von einem Infekt zurückgeworfen wird, endet es fatal."

Auch die Psyche, sonst einer der überragenden Stärken Laudas, könnte dann nicht mehr mitgespielt haben. Kaspar: "Wenn du nicht mehr zu Kräften kommst, wenn es keine allgemeine Verbesserung mehr gibt, eher nur eine Verschlechterung, hat es auch der größte Kämpfer einmal schwer. Der Körper kommt dann einfach nicht mehr zu Kräften, stellt seine Funktionen ein."





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